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Feiern, Sorgen und Peinlichkeiten

Johannesburg. Heute ist eigentlich Nelson Mandelas großer Tag. Denn der Freiheitskämpfer wird 95. Doch trotz zahlreicher Veranstaltungen im Land will eine Feierstimmung nicht aufkommen. Denn „Madiba“ liegt todkrank im Krankenhaus. afp

Millionen Schulkinder singen "Happy Birthday", Freiwillige überall auf dem Globus spenden Zeit für soziale Projekte: So feiert die Welt heute den 95. Geburtstag von Nelson Mandela - doch die Freude ist getrübt. Der frühere Präsident Südafrikas wird seinen Ehrentag wohl im Krankenhaus verbringen müssen, wo er seit eineinhalb Monaten wegen einer hartnäckigen Lungenentzündung behandelt wird. Zudem ist kein Ende des Familienstreits über Mandelas letzte Ruhestätte und sein Erbe in Sicht.

Der Zustand Mandelas wird als "kritisch, aber stabil" beschrieben, er ist beim Atmen auf maschinelle Unterstützung angewiesen. Es gebe "keine Veränderung", teilte das Büro des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma kurz vor dem Geburtstag mit.

Dass der einstige Anti-Apartheid-Kämpfer überhaupt ein Alter jenseits der 90 erreichen würde, hatte kaum jemand erwartet. Mandelas Gesundheit ist seit langem angeschlagen, auch infolge seiner 27 Jahre Haft unter dem rassistischen Apartheid-Regime.

2010 wurde der Geburtstag des Ex-Präsidenten von der Uno zum "Mandela-Tag" erklärt. Die Vereinten Nationen regten an, am 18. Juli 67 Minuten für wohltätige Projekte einzusetzen - eine Erinnerung an Mandelas 67 Jahre währenden Kampf für die politische Neugestaltung seines Landes. So auch in diesem Jahr.

In Mandelas Heimat wird am Morgen des Geburtstags ein besonders bewegender Moment erwartet: In sämtlichen Schulen Südafrikas stimmen die Kinder um exakt 8 Uhr Ortszeit "Happy Birthday" an. Viele prominente Südafrikaner haben zudem angekündigt, in ihrer freien Zeit zum Beispiel Schulgebäude zu streichen oder Kleidung an bedürftige Kinder zu verteilen. Die südafrikanische Staatsführung begeht den Tag mit zahlreichen offiziellen Veranstaltungen. Auf ihren Wunsch hin blieb es auch beim Termin für den EU-Südafrika-Gipfel, der morgen in Pretoria stattfindet. Und in Mvezo, Mandelas Geburtsort, wird eine Brücke nach dem Friedensnobelpreisträger benannt. Dies lenkt den Blick erneut auf den anhaltenden Zwist in Mandelas Familie. Sein Enkel Mandla Mandela hatte die sterblichen Überreste von drei verstorbenen Kindern des Patriarchen nach Mvezo bringen lassen. Offenbar hoffte er darauf, dass später auch Nelson Mandela dort beigesetzt würde. Mandla Mandela ist Ortsvorsteher des Dorfes und könnte somit von möglichen Touristenströmen profitieren.

Nelson Mandela fühlt sich allerdings stärker mit dem 30 Kilometer entfernten Dorf Qunu verbunden. Hier hat er seine Kindheit verbracht. Die von Mandla nach Mvezo gebrachten Gebeine sind inzwischen nach einem Gerichtsbeschluss wieder in Qunu. Mandla Mandela reagierte und warf seiner Tante Makaziwe, seinem Halbbruder Ndaba und seinem Bruder Mbuzo daraufhin vor, Zwist in der Familie zu säen.

Für Irritationen sorgen in Südafrika auch die Aktivitäten mehrerer Töchter und Enkel Mandelas, die unter dem Namen der Freiheitsikone Wein und Kleidung vermarkten. Der frühere südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu flehte die Familie in einem offenen Brief an, den Namen Mandela nicht zu beschmutzen. Gerade zum Geburtstag ihres Helden schließen sich viele Südafrikaner diesem Wunsch an.