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UNHCR meldet neuen Rekord
Fast 70 Millionen Menschen auf der Flucht

Genf. Die Zahl der Flüchtlinge weltweit hat einen neuen Rekord erreicht. Fast jeder Zweite ist jünger als 18 Jahre.

(dpa) Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist auf einem neuen Rekordstand. Kriege und Konflikte ließen die Zahl der Flüchtlinge im Jahr 2017 auf 68,5 Millionen steigen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR gestern mit Blick auf den heutigen Weltflüchtlingstag. Drei von fünf Vertriebenen fanden im eigenen Land Zuflucht. Von denen, die über Grenzen flohen, stammten nach UNHCR-Angaben fast 70 Prozent aus nur fünf Ländern. Es handelt sich dabei um Syrien, Afghanistan, den Südsudan, Myanmar und Somalia. „Wenn es Lösungen für diese Länder gäbe, könnten die Zahlen deutlich sinken“, sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi.


Der Eindruck, die reichen Länder seien durch Flucht- und Migrationsbewegungen besonders betroffen, ist nach den Worten Grandis falsch. 85 Prozent der Geflüchteten hätten nahe ihrer Heimat in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen Zuflucht gefunden. Deutschland beherbergte demnach im vergangenen Jahr 970 400 Vertriebene. Es stand damit hinter der Türkei, Pakistan, Uganda, dem Libanon und dem Iran an sechster Stelle.

Nach Angaben von UNHCR sind mehr als die Hälfte der weltweit 68,5 Millionen Flüchtlinge jünger als 18 Jahre. Die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer forderte die Regierungen dazu auf, mehr für den Schutz der Flüchtlingskinder zu tun.  Unterdessen sinkt die Zahl der Asylbewerber in Deutschland deutlich. Zwischen Januar und März beantragten 34 400 Menschen internationalen Schutz in der Bundesrepublik, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat gestern in Luxemburg mitteilte. Das waren 25 Prozent weniger als im letzten Quartal des Vorjahres – europaweit aber noch immer die meisten. EU-weit ging die Zahl der Asylbewerber den Angaben zufolge um 15 Prozent von 154 000 auf 131 000 zurück.