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Ministerin Giffey
Vorstoß für junge Freiwillige

Eine junge Frau kümmert sich in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr um Krippenkinder. Das Familienministerium will solche Dienste stärker fördern.
Eine junge Frau kümmert sich in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr um Krippenkinder. Das Familienministerium will solche Dienste stärker fördern. FOTO: dpa / Waltraud Grubitzsch
Berlin. Familienministerin Giffey will soziales Engagement für Jugendliche attraktiver machen – und zwar weiter ohne Zwang, fordert die SPD-Politikerin. Von Birgit Wilke und Antonia Hofmann

Abitur in der Tasche und dann? Viele Jugendliche entscheiden sich für einen Freiwilligendienst, möchten nach der Schule etwas Praktisches machen, sich erst mal orientieren. Bei vielen scheitert dieser Wunsch aber schlicht am Geld, denn in diesem freiwilligen Jahr erhält der Jugendliche nur ein Taschengeld, die Höhe variiert, beträgt aber maximal 391 Euro.


Bundesfamilienministerin Franziska Giffey will das ändern: Junge Leute sollen „wollen dürfen“, sagte sie gestern. Das heißt: Jeder, der ein Freiwilligenjahr absolvieren möchte, sollte das auch tun können – an schlechten Rahmenbedingungen dürfe ein solcher Dienst an der Gemeinschaft nicht scheitern. Die SPD-Politikerin hat deshalb ein neues Konzept für die Dienste vorgelegt, die weiterhin auf Freiwilligkeit beruhen sollen und das sie gerne Schritt für Schritt umsetzen möchte.

Ihren Angaben zufolge machen jährlich mehr als 80 000 junge Menschen einen Freiwilligendienst in Deutschland. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten: Rund 53 000 absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), 3000 ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) und rund 27 000 den Bundesfreiwilligendienst, den es seit der Abschaffung der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes gibt. Dazu kommt ein freiwilliger Dienst im Ausland und seit einigen Jahren ein freiwilliges Jahr im kulturellen, politischen oder naturwissenschaftlichen Bereich.



Giffey will in einem ersten Schritt die Zahl der Plätze vergrößern. Im kommenden Jahr soll es unter anderem beim Bundesfreiwilligendienst 5000 Plätze mehr geben und beim Freiwilligen Ökologischen Jahr 625. Zudem sollen die Bedingungen für Menschen mit Behinderungen verbessert werden, die ein solches Jahr ableisten wollen.

Nach den Berechnungen des Familienministeriums könnten von den jährlich rund 800 000 Schulabgängern rund 120 000 junge Menschen motiviert werden, ein solches Jahr zu machen. Für den Ausbau der Plätze will der Bund auch mehr Geld in die Hand nehmen. So standen 2018 rund 263 Millionen Euro im Haushalt des Ministeriums zur Verfügung. Für 2019 sieht der Haushalt zusätzliche Mittel von rund 65 Millionen Euro vor.

Mittelfristig soll der Bund nach Giffeys Vorstellungen auch die finanziellen Bedingungen für einen solchen Freiwilligendienst verbessern und ein bundesweit einheitliches Freiwilligengeld von 402 Euro zahlen. Zudem soll es Zuschüsse für ein Monatsticket mit dem öffentlichen Nahverkehr geben. Und Giffey möchte den Freiwilligendienst flexibilisieren: Die starren Vorgaben von einem Zeitraum von einem Jahr beim FSJ sollen gelockert werden. Junge Menschen sollen den Dienst auch in Teilzeit absolvieren können oder etwa nur ein halbes Jahr.

Giffeys Konzept ist ein Gegenmodell zu dem von CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer vorgeschlagenen Pflichtjahr, das die SPD-Politikerin ablehnt. „Wir wollen, dass das, was schon gut läuft, auch tatsächlich gut wirken kann“, sagte Giffey. Sie rechnet mit Kosten von rund einer Milliarde Euro, die die Umsetzung des gesamten Konzepts kosten würde.

Mit den vorgelegten Bausteinen sind laut Giffey grundlegende Ziele formuliert. Es komme nun auch darauf an, wie sich der Koalitionspartner dazu verhalte.