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Soziale Netzwerke
Facebook will menschlicher werden

Kohleförderung im Saarland Kohleförderung im Bergwerk Saar: In der Primsmulde des Bergwerks Saar wird am Freitag (01.09.2006) die erste Kohle abgebaut. Um 10.30 Uhr liefen die Maschinen unter Tage an. Der Streeb wird vom Nordschacht aus angefahren. Deutsche Steinkohle AG (DSK), Bergbau, Kohle, Kohleförderung SYMBOL. 
Foto: ©  Becker&Bredel (Konto 520 17400 Sparkasse Neunkirchen BLZ 592 520 46) Straße des 13. Januar 12-14; 66121 Saarbruecken. Telefon:(0681)958000 Fax (0681)9580058
Kohleförderung im Saarland Kohleförderung im Bergwerk Saar: In der Primsmulde des Bergwerks Saar wird am Freitag (01.09.2006) die erste Kohle abgebaut. Um 10.30 Uhr liefen die Maschinen unter Tage an. Der Streeb wird vom Nordschacht aus angefahren. Deutsche Steinkohle AG (DSK), Bergbau, Kohle, Kohleförderung SYMBOL. Foto: © Becker&Bredel (Konto 520 17400 Sparkasse Neunkirchen BLZ 592 520 46) Straße des 13. Januar 12-14; 66121 Saarbruecken. Telefon:(0681)958000 Fax (0681)9580058 FOTO: BUB / BeckerBredel
Menlo Park. Das soziale Netzwerk setzt künftig auf Beiträge von Freunden statt auf Firmen-Posts. Warum schneiden sich die Gründer ins eigene Fleisch?

() Mark Zuckerberg wirkte nie wie jemand, der an der weltverbessernden Rolle von Facebook zweifelt. „Unsere Mission ist es, die Welt offener und vernetzter zu machen“, wiederholte er gebetsmühlenartig über Jahre. Und jetzt? Plötzlich bekommt man einen Mark Zuckerberg zu sehen, der sich um sein Vermächtnis in den Augen seiner Töchter sorgt. „Es ist wichtig für mich, dass wenn Max und August aufwachsen, sie das Gefühl haben, dass das, was ihr Vater aufgebaut hat, gut für die Welt war“, sagte er der „New York Times“ zu den anstehenden Änderungen im Newsfeed, die Beiträge von Freunden und Familie in den Vordergrund bringen werden. Übersetzt heißt das: Facebook könnte nicht gut für die Welt sein, wenn man jetzt nicht handelt. Und dann wagt sich Zuckerberg auch gleich noch an den Newsfeed – das Herzstück des Online-Netzwerks. Dort findet das Face­book-Leben der über zwei Milliarden Mitglieder statt, dort werden Anzeige für Anzeige die Milliardengewinne geschöpft.



Mit den Änderungen werden es Beiträge von Unternehmen, Medien und anderen Facebook-Seiten wie auch der von Parteien, schwieriger als bisher haben, in den Nachrichtenstrom zu kommen. Vereinfacht gesagt, man bekommt eher das nächste Katzenvideo zu sehen, wenn es die Tante geteilt hat oder Facebook-Bekannte darüber diskutieren. Sonst wird es im Newsfeed hinter Urlaubsfotos und Unterhaltungen unter Freunden geschoben – außer, man legt in den Einstellungen fest, dass man bestimmte Inhalte unbedingt oben sehen will. Das Frappierende: Die Änderungen werden dazu führen, dass Nutzer weniger Zeit bei Facebook verbringen, räumt Zuckerberg selbst ein. Bisher schien es darum zu gehen, dass die Leute länger bleiben.

Facebook buhlte um Marken, Medien, „Kreative“ und „Influencer“ und rief sie auf, ihre Inhalte zu Facebook zu bringen. Jetzt werden viele von ihnen, die sich zu sehr darauf verlassen haben, im Regen stehen. Und von Facebook können sie keinen Regenschirm erwarten. „Es stimmt, dass die Verbreitung dieser Inhalte zurückgehen wird, und dies bedeutende Auswirkungen für das Ökosystem haben wird“, sagt Facebook-Manager John Hegeman schlicht auf die Frage, ob sich das Online-Netzwerk auf eine Welle der Kritik einstellt und es Maßnahmen geben könnte, die den Schlag abmildern.

Weniger bei Facebook verbrachte Zeit bedeutet zugleich weniger Gelegenheit, auf Werbeanzeigen zu klicken – also potenziell auch weniger Geld für Facebook. Außer natürlich, die Facebook-Seiten versuchen allesamt, sich über die Anzeigenplätze doch noch in den Newsfeed reinzuquetschen und treiben dadurch die Preise hoch. Die Zahl der Werbeslots wird aber nicht erhöht, stellt Facebook klar.

Es muss also schon akuten Handlungsbedarf geben, wenn man statt der üblichen vorsichtigen Tests mit dem Bulldozer aufräumt. Zuckerberg argumentiert mit den Wünschen der Nutzer – und Studien, die zeigten, dass der passive Konsum von Inhalten nicht gut für das Wohlbefinden sei. Und Facebook fühle sich dafür verantwortlich.



Der Analyst Brian Wieser von der Firma Pivotal Research verwies jetzt auf Zahlen des Marktforschers Nielsen, wonach die Facebook-Nutzung zwei Monate in Folge auf Vorjahresniveau stagnierte. „Facebook spürt bereits Rückgänge bei der Nutzung und reagiert“, sagte Wieser dem Finanzdienst Bloomberg. Facebook selbst muss die Alarmsignale viel früher mitbekommen haben: Schon seit dem Quartalsbericht im November wurde immer wieder eingeworfen, es gehe um für die Nutzer bedeutsame Interaktionen bei Facebook.

Wagt Zuckerberg einen radikalen Umbau und opfert einen Teil der Gewinne, um die Zukunft seines Lebenswerks zu sichern? Sagt ihm sein Gespür, dass sich die Menschen eher nach einem heimeligen Rückzugsort sehnen, statt auch bei Facebook mit Infos geflutet zu werden? Oder haben wir es mit einem geläuterten Gründer zu tun, dem die Schattenseiten seiner Erfindung unter die Haut gingen? Die nächsten Schritte werden das zeigen.

Er gestaltet sein Netzwerk zu Lasten von Firmen um: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.
Er gestaltet sein Netzwerk zu Lasten von Firmen um: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. FOTO: Alberto Estévez / dpa