| 00:00 Uhr

EZB flutet die Märkte mit 1,1 Billionen Euro

Frankfurt. Die Europäische Zentralbank öffnet die Geldschleusen: Ein billionenschweres Programm soll die Verbraucherpreise wieder in die Höhe treiben. Der Kauf von Staatsanleihen im großen Stil startet am Montag, die Wirkung dürfte aber auf sich warten lassen. dpa/afp

Im Kampf gegen Wirtschaftsflaute und Preisrückgang flutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit Geld. Ab Montag werde die Notenbank Staatsanleihen und andere Wertpapiere kaufen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi gestern. Wie bereits im Januar angekündigt, sollen mindestens bis September 2016 monatlich Papiere im Umfang von 60 Milliarden Euro gekauft werden. Wenn sich die Inflation bis dahin nicht dem Zielwert von knapp unter zwei Prozent angenähert habe, werde das Programm fortgesetzt, betonte Draghi. Die Deutsche Bundesbank hatte sich wiederholt massiv gegen die Ankäufe ausgesprochen.

Die EZB will mit der 1,1 Billionen Euro schweren Maßnahme den Preisauftrieb stärken, um eine Deflation zu verhindern. Sinken die Preise auf breiter Front, kann das die Konjunktur abwürgen: Verbraucher schieben in der Hoffnung auf weiter fallende Preise ihre Anschaffungen auf, Unternehmen vertagen ihre Investitionen.

Schon jetzt sehe man positive Auswirkungen der im Januar angekündigten Anleihe-Käufe, sagte Draghi. Die Kreditvergabe habe sich verbessert, ebenso die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen. Die Wirkung des Billionenprogramms auf die Inflation wird 2015 aber noch gering sein. Europas Währungshüter erwarten nach ihrer jüngsten Prognose fürs Gesamtjahr stagnierende Preise. Danach soll sich die Geldschwemme aber stärker auf den Preisauftrieb auswirken. Nach Berechnungen der EZB sollen die Preise 2016 um 1,5 Prozent steigen, im Folgejahr um 1,8 Prozent.

Wenn die Notenbank am Montag die Geldschleusen öffnet, profitieren zwei Euro-Krisenländer zunächst nicht davon: Griechische Bonds und Anleihen aus Zypern können die Währungshüter zunächst nicht erwerben, weil in beiden Ländern die Überprüfung des bereits laufenden Programms nicht abgeschlossen sei, sagte Draghi. Zudem beschloss die EZB, aus einzelnen Ländern jeweils maximal 33 Prozent aller Anleihen zu erwerben. Dieser Anteil ist bei Griechenland durch das frühere Ankaufprogramm bereits ausgeschöpft.