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„Europa gibt es nicht nur in guten, sondern auch in schweren Tagen“

Auch Kanzlerin Angela Merkel müsse gegenüber Griechenland Kompromissbereitschaft zeigen, fordert die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, im Interview mit SZ-Korrespondent Hagen Strauß.

Frau Göring-Eckardt, das deutsch-griechische Verhältnis ist derzeit extrem angespannt. Wie können sich beide Seiten annähern?

Göring-Eckardt: Tsipras muss deutlich machen, dass er die Reformen auch tatsächlich umsetzen will und auf einem guten Weg ist. Die Kanzlerin muss ihre Bereitschaft signalisieren, auch einen Weg zu begleiten, der nicht eins zu eins ihren Vorstellungen entspricht. Das wäre eine erfolgversprechende Grundlage für das Gespräch.

Muss die Frage der Reparationen eine Rolle spielen?

Göring-Eckardt: Eurokrise und Reparationszahlungen sollte man nicht miteinander vermischen. Aber grundsätzlich gilt, dass die Kanzlerin auch hier Gesprächsbereitschaft zeigen muss. Die Verbrechen der Nazis in Griechenland verjähren nicht, da gibt es keinen Schlussstrich. Es gibt berechtigte Interessen von einzelnen Gemeinden oder Institutionen in Griechenland . Deswegen muss über die Vergangenheit ehrlich miteinander geredet werden.

Wie steht ihre Fraktion zu einem möglichen dritten Hilfspaket?

Göring-Eckardt: Jeder, der ehrlich ist, weiß, dass es zu einem weiteren Hilfspaket kommt. Wir werden die Ausgestaltung genau prüfen, wenn das Hilfspaket vorliegt. Man muss übrigens auch mal sagen: Bisher profitieren wir von den Hilfen für Griechenland , fiskalisch und ökonomisch. Alle, die daher den Untergang Deutschlands durch die Griechenlandhilfe an die Wand malen, müssen anerkennen: Im Moment ist das Gegenteil der Fall.

Knüpfen auch Sie Bedingungen an eine Zustimmung zu einem weiteren Paket?

Göring-Eckardt: Die konkrete Reformliste ist verabredet. Und die muss dann auch von griechischer Seite vorliegen - nachvollziehbar, realistisch, nicht nur bestehend aus Überschriften.

Was glauben Sie, wie wird die innenpolitische Debatte dann laufen? Schon jetzt ist der öffentliche Druck groß, weitere Hilfen für Griechenland abzulehnen.

Göring-Eckardt: Das wird für jeden Parlamentarier eine Herausforderung sein. Europa gibt es aber nicht nur in guten, sondern auch in schweren Tagen. Und natürlich mache ich mir auch bewusst, dass die Rechten in Griechenland Oberwasser bekommen würden, sollte die neue griechische Regierung scheitern. Was das für Europa bedeuten würde, möchte ich mir gar nicht ausmalen.