Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 00:00 Uhr

Ellen Pao und der Männerclub im Silicon Valley

Washington. Frauen sind im Silicon Valley in der Minderheit. Die Klage einer Frau, die dem Internet-Finanzierer KPCB Diskriminierung vorwarf, erregte viel Aufsehen – aber vor Gericht ist sie letzten Endes doch gescheitert. Frank Herrmann

Ellen Pao hat einen Gerichtsprozess verloren - und eine Debatte in Schwung gebracht. Es geht um die Frage, ob das Silicon Valley , jenes Mekka des Unternehmergeists, wo sich risikofreudige Geldgeber mit kreativen Studienabbrechern zusammentun, immer in der Hoffnung, mit am "nächsten großen Ding" zu drehen, ob dieses Hightech-Paradies nicht zugleich auch eine Hochburg der Frauenfeindlichkeit ist.

Pao hatte geklagt, gegen Kleiner Perkins Caufield & Byers (KPCB), den Primus der Wagniskapitalbranche, der sich einen Namen machte, als er früh bei Amazon und Google einstieg. Als ehemalige Juniorpartnerin der Firma sei sie diskriminiert worden, und als sie sich wehrte, habe man sie gefeuert, führte die 45-Jährige ins Feld. Falsch, Pao habe einfach nicht gehalten, was man sich von ihr versprach, entgegnete das Unternehmen. Eine zwölfköpfige Jury in San Francisco gab KPCB recht, wenn auch mit drei Gegenstimmen, was im amerikanischen Justizbetrieb relativ selten passiert, sind doch Geschworene in aller Regel bemüht, nach außen ein Bild der Geschlossenheit zu präsentieren. Die Unterlegene des Verfahrens, sie sieht sich als die wahre Siegerin.

"Ich habe meine Geschichte erzählt, und an all den Tagen im Gerichtssaal haben mir Tausende zugehört", sagt Pao, inzwischen Interimschefin des Social-Media-Anbieters Reddit . "Wenn es hilft, das Spielfeld für Frauen zu ebnen, dann hat sich die Schlacht gelohnt."

Jedenfalls trägt der Fall dazu bei, den Kapitalgebern des Silicon Valley ihren Nimbus zu nehmen, den Nimbus, Avantgarde zu sein, der progressive Nabel der Welt, nicht nur im Technischen. Was Pao skizziert, lässt eher an einen Country-Club denken, in dem es fast ausnahmslos Männer sind, die auf der Golfwiese Geschäfte machen. Gerade mal sechs Prozent aller Seniorpartner der Venture-Capital-Firmen sind weiblich, und wie er sich den idealen Wagniskapitalisten vorstellt, hat John Doerr, der Star der Branche, einmal mit typisch launigen Worten beschrieben: "Weiße, männliche Techniknarren, die das Studium in Harvard oder Stanford hingeworfen haben." Als sie bei Kleiner Perkins über den Teilnehmerkreis eines Abendessens mit dem früheren Vizepräsidenten Al Gore nachdachten, riet einer aus der Führungsriege davon ab, Frauen einzuladen. Frauen würden die ausgelassene Stimmung töten, meinte Chi-Hua Chien.

Einmal beschwerte sich eine Juniorpartnerin, nachdem ein Kollege halb nackt vor der Tür ihres Hotelzimmers aufgetaucht war. Was sie denn habe, sie könne sich doch geschmeichelt fühlen, kam als Replik. Beim Skiausflug in die Rocky Mountains blieben Frauen wie selbstverständlich ausgeschlossen. Eine Frau würde sich vielleicht unwohl fühlen, schließlich übernachte man in Gemeinschaftsquartieren, antwortete besagter Chi-Hua Chien auf eine entsprechende Anfrage. "Warum lassen wir sie nicht aus und finden stattdessen zwei Burschen, die großartig sind? Nächstes Jahr können wir immer noch vier bis acht Frauen mitnehmen." Nur dass es im Jahr darauf keinen Skitrip gab.

Es ist zehn Jahre her, dass Ellen Pao bei Kleiner Perkins anfing. Doerr heuerte sie als persönliche Assistentin. Ihre Vita, Studium in Princeton und Harvard, Elektrotechnik, Betriebswirtschaft und Jura, las sich beeindruckend. Ein Gespür für lohnende Deals besaß sie offenbar auch. Frühzeitig versuchte sie KPCB zu überzeugen, beim Kurznachrichtendienst Twitter einzusteigen. Worauf ein männlicher Kollege abblockte: Den Twitter-Leuten fehle der Sinn fürs Geschäftliche, sie würden kaum in der Lage sein, Gewinn zu machen. Später wurde Pao der Sitz im Aufsichtsrat einer Partnerfirma nur deshalb verweigert, weil sie im achten Monat schwanger war. Sie hatte angekündigt, dass sie nach der Geburt des Babys ein paar Wochen Mutterschaftsurlaub nehmen wolle.