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FBI ermittelt gegen Anwalt
Eine Razzia, die Trump in Rage bringt

FOTO: dpa / Susan Walsh
Washington. Dass das FBI die Räume seines Anwalts Michael Cohen durchsuchte, regt den US-Präsidenten mächtig auf. Es geht dabei nicht nur um eine Porno-Darstellerin. Von Frank Herrmann

Donald Trump ließ jegliche Hemmungen fallen, als er vor Reportern im Weißen Haus über den Sonderermittler Robert Mueller herzog. Aufgebracht sprach der Präsident von einer „Schande“, einer „totalen Hexenjagd“ und einer „völlig neuen Qualität der Unfairness“. Ausgelöst durch eine Razzia des FBI bei seinem Anwalt Michael Cohen, gipfelte die Tirade in Sätzen, die sich anhörten, als wolle eine feindliche Macht Amerika in seinen Grundfesten erschüttern. „Das ist ein Angriff auf unser Land. Das ist ein Angriff auf alles, wofür wir stehen“, sagte Trump.


Eigentlich sollte es bei dem Treffen am Montagnachmittag um einen eventuellen Militärschlag gegen Syrien gehen. Trump hatte Berater, Kabinettsmitglieder und Generäle um sich versammelt, um Szenarien durchzugehen, eine womöglich bewaffnete Reaktion auf den Giftgaseinsatz in Duma. Doch als Journalisten nach der Causa Cohen fragten, antwortete er mit einer Tirade, die verriet, wie sehr ihm die Razzia unter die Haut ging. Muellers Team sei in einem Maße parteiisch, wie er es noch nie erlebt habe, wetterte er und machte deutlich, dass er in den Ermittlern rings um den früheren FBI-Direktor nur ein Werkzeug in den Händen der oppositionellen Demokraten sieht. Ob er Mueller entlasse? „Wir werden sehen, was passiert. Es haben schon viele Leute gesagt, dass ich ihn feuern soll.“

Stunden zuvor hatte das FBI Räume des langjährigen persönlichen Anwalts von Trump in Manhattan durchsucht. Zu den Dokumenten, die die Polizisten mitnahmen, gehörten neben Steuerunterlagen auch Belege über Zahlungen, mit denen Cohen das Schweigen der Pornodarstellerin Stephanie Clifford erkaufte. Kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016 überwies er der Frau, die unter ihrem Künstlernamen Stormy Daniels bekannter ist, 130 000 Dollar. Es war der Versuch, sie davon abzubringen, über eine Affäre mit Trump zu plaudern. Inzwischen fühlte sich die 39-Jährige nicht mehr an die Abmachung gebunden, in einem Fernsehmagazin schilderte sie neulich in allen Details, was sich 2006 zwischen ihr und dem damaligen Bauunternehmer in einer Hotelsuite in der Sierra Nevada abspielte. Cohen seinerseits behauptet, er habe das Schweigegeld aus seiner Privatkasse gezahlt. Trump, der die Affäre im Übrigens bestreitet, habe nichts davon gewusst. Selbst wenn das stimmte, könnte der Scheck eine illegale Wahlkampffinanzierung darstellen – als Zahlung in der Absicht, Trumps Ruf mit Blick auf das anstehende Votum zu retten. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ wird unter anderem wegen Bankbetrugs und Verletzung der Regeln zur Wahlkampffinanzierung gegen Cohen ermittelt.



Der Jurist arbeitet seit zwölf Jahren für Trumps Immobilienunternehmen. Auch bei der Anbahnung potenzieller Geschäfte in Russland soll er eine Rolle gespielt haben. Mueller wiederum geht dem Verdacht nach, Trumps Wahlkampfteam könnte sich mit dem Kreml abgesprochen haben, um der Rivalin Hillary Clinton zu schaden. Die Razzia in Manhattan allerdings hat nicht er veranlasst, sondern der zuständige Staatsanwalt in New York. Der Sonderermittler indes soll den Tipp auf Cohen gegeben haben.