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Ein wuchtiger Stachel im Freizeit-Leben

Die große Freitreppe an der Berliner Promenade wird durch das geplante Mahnmal „Der unterbrochene Wald“ etwa zehn Prozent ihrer Fläche verlieren. Foto: B&B
Die große Freitreppe an der Berliner Promenade wird durch das geplante Mahnmal „Der unterbrochene Wald“ etwa zehn Prozent ihrer Fläche verlieren. Foto: B&B FOTO: B&B
Saarbrücken. Um das Holocaust-Mahnmal an der Saarbrücker Berliner Promenade bahnt sich Streit an. Die Synagogengemeinde will neben dem Stelenfeld auch eine „Plaketten-Wand“ mit den Namen der Opfer – und wird ausgebremst. Von SZ-RedakteurinCathrin Elss-Seringhaus

Die Entscheidung, den neuen Platz am oberen Ende der Berliner Promenade nach dem Rabbiner Friedrich Schlomo Rülf zu benennen, der die Saarbrücker jüdische Gemeinde von 1929 bis 1935 führte, fiel 2008. Im Dezember 2010 beschloss der Stadtrat, dort ein Mahnmal für die in der Zeit der NS-Diktatur ermorderten saarländischen Juden zu errichten und einen Wettbewerb zu starten. Am 4. Juni 2012 entschied sich eine Jury für das Kunstwerk "Der unterbrochene Wald" des Bildhauers Ariel Auslender. Danach wurden von 6. bis 22. Juni alle Wettbewerbsentwürfe in der Saarbrücker Stadtgalerie gezeigt. Am 26. Juni beschloss der Stadtrat die Realisierung des Auslender-Entwurfs. Ausdrücklich mitbeschlossen wurde, dass "in Absprache mit dem Preisträger zusätzlich geprüft werden sollte, inwieweit auch namentlich den Opfern gedacht werden könnte".

Das Kunstwerk besteht aus einem Wald gekappter Bronze-Baumstämme (Höhe: 1,10 Meter). Ein Teil findet auf den Stufen der neuen Treppe an der Berliner Promenade Platz, die dadurch laut Baudezernentin zehn Prozent ihrer Fläche verliert. Auf dem Platz werden die Stämme mit natürlichen Bäumen kombiniert, so dass ein "Erinnerungswald" entsteht. Außerdem wird eine Tafel mit dem Zitat "Es war eine große und schöne Gemeinde von dreitausend Seelen" von Rabbiner Rülf in den Boden eingelassen. Zusätzlich sollen die Namen der saarländischen Nazi-Opfer genannt werden.

Ariel Auslender: Der 1959 in Buenos Aires geborene Jude lehrt an der TU Darmstadt Plastisches Gestalten. Für die Realisierung des Entwurfs wurden 200 000 Euro bereitgestellt.



Mit Baumstämmen wurde der Stelenwald vorab zu Testzwecken „simuliert“ – im November soll er eingeweiht werden. Foto: Rolshausen
Mit Baumstämmen wurde der Stelenwald vorab zu Testzwecken „simuliert“ – im November soll er eingeweiht werden. Foto: Rolshausen FOTO: Rolshausen
So stellt sich die Synagogengemeinde Saar die Gedenk-Wand vor, die genaue Wortwahl steht aber noch nicht fest. Foto: Synagogengemeinde
So stellt sich die Synagogengemeinde Saar die Gedenk-Wand vor, die genaue Wortwahl steht aber noch nicht fest. Foto: Synagogengemeinde FOTO: Synagogengemeinde