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Ein Jahr danach: Was bleibt vom „Fall Tebartz“?

Limburg. Das Bistum Limburg will nach der Affäre um Bischof Tebartz-van Elst nach vorne schauen. Die Folgen des Skandals sind aber auch ein Jahr nach seiner Abberufung spürbar. Wann ein neuer Oberhirte einziehen wird, steht in den Sternen. Carolin Eckenfels,Bernd Glebe (dpa)

Seit einem Jahr ist der Limburger Bischofsstuhl verwaist. Am 26. März 2014 endete die Amtszeit von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf dem Domberg. Das Bistum mit seinen rund 645 000 Katholiken in Hessen und Rheinland-Pfalz bemüht sich seither um die Aufarbeitung der Affäre um Tebartz-van Elst und seiner kostspieligen Residenz. Was bleibt von der "Causa Tebartz"?

Badewanne: Sie ist zum Sinnbild geworden für den 31 Millionen Euro teuren "Protzbau" von Limburg und den Skandal. Golden, wie man hätte meinen können, ist sie zwar nicht, aber von edler Qualität - und unbenutzt. Wie auch die 280 Quadratmeter große bischöfliche Design-Wohnung. Der künftige Oberhirte muss entscheiden, ob er hier trotz des Rufs des Ensembles einziehen möchte. Wann der neue Bischof kommt, ist völlig offen. Der Apostolische Administrator Manfred Grothe verweist auf Rom : Erst wenn in Limburg wieder Ruhe eingekehrt ist, will sich der Vatikan einer Personaldebatte stellen.

Residenz: Zu dem Amtssitz gehören neben der bischöflichen Wohnung unter anderem eine Kapelle, Konferenzräume und Gästezimmer. Auch ohne einen Bischof will das Bistum den skandalträchtigen Komplex nutzen - und ihn so "entzaubern" und "entmystifizieren". Geplant ist, das Gebäude für kirchliche und kulturelle Veranstaltungen oder Feste zu öffnen. Ein passendes Ambiente bietet die Residenz allemal. Ob es eine Klage gegen Tebartz-van Elst wegen der Kostenexplosion als Letztverantwortlichen der Verwaltung geben wird, ist noch offen. Nach dem kirchlichen Strafrecht kann nur Rom eine Klage auf den Weg bringen.

Wunden: In der Affäre um den Bischof ging es nicht nur um Verschwendungsvorwürfe, sondern auch um den Führungsstil von Tebartz-van Elst. Kritiker sprachen damals von einer "Atmosphäre lähmender Angst" im Bistum. Betroffene konnten im vergangenen Herbst ein Sorgentelefon nutzen. 107 Anrufer meldeten sich und berichteten über bedrückende Erfahrungen und Verletzungen. Ein Fazit des aktuellen Bistumsleiters Manfred Grothe: Die vielen Gespräche haben geholfen, das tiefe Misstrauen abzubauen. Nicht alle Wunden lassen sich heilen.

Finanzbericht: Den legte das Bistum im vergangenen Juli als Reaktion auf den Skandal vor und bekam dafür selbst von Kritikern Lob. In dem Papier listet die Diözese ihr Vermögen auf - insgesamt rund eine Milliarde Euro. Andere Bistümer legten nach oder wollen das tun. Dass die Diözesen ihre Bücher öffnen, ist nach Experteneinschätzung auch eine Folge der "Affäre Tebartz". Es geht nicht nur für die Limburger, sondern für die gesamte katholische Kirche darum, Vertrauen zurückzugewinnen. Eine wichtige Entscheidung Limburgs als Konsequenz aus der "Protzbau"-Affäre: Externe Experten werden in den Vermögensverwaltungsrat einziehen.

Austritte: Die Affäre um Tebartz-van Elst macht sich auch in der Statistik bemerkbar. Im Jahr 2013 kehrten deutschlandweit rund 178 800 Katholiken der Kirche den Rücken, nach zuvor 118 000. Im Bistum Limburg trat eine Rekordzahl von fast 8000 Menschen aus. Im Herbst 2013 hatte sich die Affäre zugespitzt. Damals wurde die Kostenexplosion bekannt. Ende Oktober 2013 verordnete der Papst dem Limburger Oberhirten eine Auszeit, im folgenden März berief er ihn vom Domberg ab. Laut Grothe hält der Mitgliederschwund weiter an - auch wegen der Umstellung bei der Kirchensteuer.

Offene Fragen: Egal, welche Maßnahmen das Bistum derzeit zur Krisenbewältigung unternimmt, Strukturen verändert oder Türen öffnet - es sind nur Zwischenschritte, die dem künftigen Bischof den Weg ebnen sollen für den Neuanfang. Wer das ist, ob Tebartz-van Elst im Limburger Dom einen Abschied bekommt und wann sein Nachfolger kommt - das bleiben weiterhin offene Fragen.