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Horst Seehofers Abschied in Bayern
Ein Großer der CSU – mit Instinkt und Egomanie

Horst Seehofer, CSU-Parteivorsitzender und nun Ex-Ministerpräsident von Bayern.
Horst Seehofer, CSU-Parteivorsitzender und nun Ex-Ministerpräsident von Bayern. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
MÜNCHEN Die letzte Sitzung des „Kabinetts Seehofer II“ sollte gestern nach Wunsch des Chefs ganz geschäftsmäßig über die Bühne gehen. Dass dem nicht ganz so war, konnte man schon am Lieferwagen eines Party-Caterers vor der Münchener Staatskanzlei erkennen. Drinnen zeigte sich Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in den letzten Stunden seiner Amtszeit aufgeräumt, milde und ein bisschen wehmütig. Von Ralf Müller

In den vergangenen Wochen tat sich Seehofer schwer, den Namen seines Nachfolgers überhaupt in den Mund zu nehmen. Am letzten Tag als Regierungschef überwand er sich und wünschte Markus Söder (CSU) „nicht nur Gottes Segen, sondern auch eine glückliche Hand“. Am Abend dann setzte sich Seehofer ins Auto und ließ sich in die Bundeshauptstadt fahren, wo er heute als neuer Bundesinnenminister vereidigt wird.


Horst Seehofer ist zufrieden mit sich, nicht aber unbedingt mit der Welt. Zum Abschied von seinem Amt als bayerischer Ministerpräsident ließ er zum ersten Mal seinem Frust über seine Partei halbwegs freien Lauf: „Sie können eine Partei retten, Sie können sie nach oben führen, aber Sie werden nicht erleben, dass dafür Dankbarkeit herrscht.“ Dankbarkeit in der Politik existiere nicht, hat Seehofer seit Jahren immer wieder angemerkt. Und doch schmerzt es offenbar, wenn vor allem die lieben Parteifreunde vergessen, dass es Seehofer war, der ihnen bei der Landtagswahl 2013 wieder zur absoluten Mehrheit im Landesparlament verholfen hat. Dafür habe die selbsternannte „Herzkammer der CSU“, die Landtagsfraktion, ihn „ordentlich demontiert“, als er in Berlin bei den Sondierungs- und Koalitionsverhandlung Tag und Nacht für die CSU gekämpft habe, beklagte sich Seehofer. Die CSU-Landtagsabgeordneten verhinderten, dass der Parteichef eines seiner wichtigsten Ziele erreichen konnte: Markus Söder als Nachfolger zu verhindern. Am Freitag nun wird der Nürnberger nun doch als Regierungschef im Landtag vereidigt werden.

Horst Seehofer wird als einer der Großen in die Geschichte der CSU, aber auch des Nachkriegs-Bayern eingehen: nach Franz Josef Strauß und neben Edmund Stoiber. Wie Strauß kennzeichnen Tatkraft, Geschick und politischer Instinkt, aber auch Widersprüchlichkeit und ein Schuss Egomanie die knapp zehn Jahre an der Spitze des Freistaats.



Ein richtiger Abgang ist es sowieso nicht. Seehofer bleibt Parteivorsitzender und wird Super-Bundesinnenminister. Er hält sich also wie viele in seiner Position für unersetzbar und kann auch nicht erklären, warum er als Ministerpräsident nicht mehr gebraucht wird. Seine Gegner in seiner eigenen Partei sehen es anders: Der Mann nehme nicht zur Kenntnis, dass die Friedhöfe voll sind mit Leuten, die sich für unersetzlich hielten.

In seinem Rücktrittsschreiben an Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) hatte Seehofer interessanterweise die Beendigung der politischen Eiszeit mit dem Nachbarland Tschechien an erster Stelle der Erfolge genannt. Tatsächlich ist dies ein Verdienst Seehofers, das allseits anerkannt wird. Und dass es Bayern „so gut geht wie nie zuvor“, dürften wohl auch die meisten unterschreiben. Ob sie es lieben oder nicht: Bayern gilt vielen als Vorbild.

Das anhaltende Bevölkerungswachstum Bayerns, die „Abstimmung mit den Füßen“, zeige, wie sehr sich der Freistaat positiv von allen anderen deutschen Ländern abhebe – die „Vorstufe zum Paradies“ eben, so der scheidende Ministerpräsident. Und wer es immer noch nicht glaubt, dem verkündeten es gestern zum letzten Mal Banner in der Staatskanzlei: „Es ist ein Glück, in Bayern zu leben (Ministerpräsident Horst Seehofer)“.