| 21:10 Uhr

Streit zwischen USA und Deutschland
Donald Trump stellt Deutschland an Pranger

Brüssel. Der US-Präsident geht mit einer Kampfansage in den Nato-Gipfel, und die richtet sich frontal gegen Deutschland. Die Kanzlerin kontert kühl.

Beim Nato-Gipfel ist der Streit zwischen den USA und Deutschland eskaliert: US-Präsident Donald Trump griff die Bundesregierung gestern in Brüssel frontal wegen zu niedriger Militärausgaben und milliardenschwerer Gasimporte aus Russland an. „Deutschland ist total von Russland kontrolliert“, behauptete Trump. Kanzlerin Angela Merkel wies dies zurück. Nach einem Einzelgespräch betonten die Politiker später das gute Verhältnis beider Staaten. 


Trump hatte am Morgen gezielt Deutschland ins Visier genommen und seine Kritik mit dem Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 gekoppelt. Die USA beschützten Deutschland, doch die Bundesrepublik zahle Milliarden für Erdgas an Russland und mache das Land damit stark, sagte der US-Präsident. Deutschland sei ein „Gefangener“ Russlands. Die Nato unternimmt derzeit erhebliche Anstrengungen zur militärischen Abschreckung Russlands.

Merkel reagierte bei ihrer Ankunft beim Gipfel auf Trumps Breitseite: Sie betonte mit Blick auf die frühere DDR, sie habe selbst erlebt, dass ein Teil Deutschlands von der Sowjetunion kontrolliert worden sei. „Und ich bin sehr froh, dass wir heute in Freiheit vereint sind als die Bundesrepublik Deutschland und dass wir deshalb auch sagen können, dass wir unsere eigenständige Politik machen können“, sagte die CDU-Chefin. Sie unterstrich auch die Anstrengungen Deutschlands für die Nato. „Wir stellen den größten Teil unserer militärischen Fähigkeiten in den Dienst der Nato“, sagte Merkel. 

Hintergrund des scharf geführten Konflikts ist Trumps Forderung, dass alle Nato-Partner spätestens 2024 jährlich mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben. Deutschland hat die Militärausgaben erhöht, kommt aber derzeit nur auf 1,24 Prozent der Wirtschaftsleistung.