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Unruhiger Urlaub für den US-Präsident
Donald Trump, der Ferienschreck

Bedminster. Während er den Konflikt mit Nordkorea anheizt, macht der US-Präsident Golf-Urlaub. Nicht alle Bewohner von Bedminster freut das. Frank Herrmann

Jim Girvan musste sich etwas einfallen lassen. Als klar war, dass Donald Trump öfter in seinem Golf-Club nach Bedminster im US-Bundesstaat New Jersey kommen würde, um beim Golfspielen zu entspannen, wusste Girvan nur, dass er etwas tun musste. Demonstrieren. Den Mann in seiner Freizeit ein wenig stören. Aber wie? Leicht war es nicht, zumal es nur so wimmelte von Ideen, bis hin zum Kleinflugzeug samt Protestbanner – das an der Flugverbotszone rund um das Anwesen scheiterte. Am Ende ist es eine Art Vogelscheuche geworden, die Donald Trump zeigen soll. Eingehüllt in die russische Flagge, sitzt die Figur auf einem Brett, groß genug, um die Hecken um Trumps Areal zu überragen. In Donald Trump sieht Jim Girvan eine Marionette des Kreml, das will er sagen. Jeden Samstag kutschiert er die Figur an der Spitze einer kleinen Kolonne die Lamington Road rauf und runter, immer vorbei am Parcours des Präsidenten. Unermüdlich.


Unterstützt wird der 64-Jährige unter anderem von Lisa O’Dwyer, Steuerberaterin und Mutter zweier Kinder. Sie hat eine berufliche Pause eingelegt, damit sie sich Girvans Trupp anschließen konnte. Erst wenn Trump das Oval Office verlassen habe, sagt sie, sei an geregelte Arbeit wieder zu denken. Im Moment sei der Protest ihre Arbeit.

Bedminster, ein Hort des Widerstands? Eher scheint es, dass Ruhestörungen der idyllisch gelegenen Kleinstadt mit rund achttausend Einwohnern zutiefst widersprechen. Auf dem Parkplatz vor der Gemeindebibliothek betont eine Frau, sie sei stolz darauf, dass der Präsident sie beehre, bevor sie zu ihrem Auto eilt. In Bedminster ist auch Steve Forbes zu Hause, der Herausgeber der gleichnamigen Zeitschrift, die mit schöner Regelmäßigkeit eine Liste der reichsten Menschen der Welt druckt. Den Geschäftsmann Trump zog es einst an den Wochenenden ins nahe Bedminster, weil er sich dort unter seinesgleichen Erholung versprach.



Wer heute Mitglied im „Trump National Golf Club“ werden will, muss für die Aufnahme hunderttausend Dollar berappen, zuzüglich 22 100 Dollar Jahresgebühr. 2002 hat der Mogul das Gelände gekauft, danach ließ er zwei Golfplätze anlegen, jeweils 18 Löcher. Vor acht Jahren heiratete seine Tochter Ivanka dort den Immobilienerben Jared Kushner.

Nur einmal „seit Menschengedenken“, übertreibt Peg Schaffer, haben die Bürger des durch und durch republikanischen Bedminster einen Demokraten in ihr Rathaus gewählt. Die Chefin der Demokraten im Somerset County, dem Landkreis, in dem Bedminster liegt, leitet im Hauptberuf eine Anwaltskanzlei. Spezialisiert auf Grundstücksrecht, kennt sie sich aus mit den Feinheiten exklusiver Immobilien im Land der Pferde, wie die Region genannt wird. Wer etwa Ziegen auf einer Golfwiese grasen lässt, kann das Areal großteils zur landwirtschaftlichen Nutzfläche erklären und Grundsteuer sparen. Trump tat das, indem er vier Ziegen anschaffte.

Was Schaffer allerdings viel mehr auf die Palme bringt als der raffinierte Spartrick, sind die ausufernden Kosten, die Trumps Ausflüge ins „Horse Country“ verursachen. Denn auch hier – wie an den Präsidenten-Sitzen im Weißen Haus und im Landsitz Camp David, zudem in Trumps Strandschloss in Mar-a-Lago in Florida – fallen für den Steuerzahler Kosten für etliche Polizisten-Überstunden zu Trumps Schutz an. „Ich bin gespannt, was er uns noch alles zumuten will“, sagt Schaffer.