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Migration
Zahl der Mittelmeer-Flüchtlinge deutlich gesunken

Madrid. Von Ralph Schulze

Die Menschenschlepper haben im zu Ende gehenden Sommer mit einer strategischen Entscheidung auf Italiens restriktive Flüchtlingspolitik reagiert: Sie schicken immer mehr Boote nach Spanien – das Land ist zum Hauptziel der Boote geworden, die übers Mittelmeer kommen. Doch auch wenn sich die Route nun von Italien nach Spanien verlagert: Unterm Strich geht die Zahl der Migranten, die übers Mittelmeer kommen, stark zurück (siehe Grafik oben). Die Route nach Italien ist inzwischen weitgehend dicht. In den letzten Wochen kamen dort nach der Statistik der Internationalen Organisation für Migration (IOM) nur noch ein paar hundert Migranten an.


In Spanien hat sich derweil die Zahl der Ankünfte – verglichen mit 2017 – verdreifacht. Seit Jahresbeginn landeten laut IOM und UN-Flüchtlingshilfswerk an Spaniens Festlandküste 34 000 Menschen. Das sind 43 Prozent all jener, die in 2018 übers Mittelmeer kamen. Hinzu kommen nahezu 5000 irreguläre Einwanderer, die es in 2018 von Marokko aus in die spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla schafften.

In Italien wurden bis Mitte September nur noch knapp 21 000 Boatpeople, also Bootsflüchtlinge, registriert. Das ist nach IOM-Angaben der niedrigste Stand seit 2014. Im gesamten Jahr 2017 waren an Italiens Küsten noch 120 000 Menschen angetrieben worden, 2016 waren es 180 000.



Auch Griechenland bekommt die Schließung der zentralen Mittelmeerroute nach Italien zu spüren: Das Land registriert neuerdings ebenfalls wieder mehr Ankünfte. Seit Jahresbeginn kamen mehr als 22 000 Boatpeople an griechischen Küsten an. Die Zahl der irregulären Immigranten, die von der Türkei über die Landgrenze nach Griechenland kommen, steigt ebenfalls. An der griechischen Landgrenze wurden in 2018 bereits mehr als 12 000 Ankünfte gezählt.

Der Chef der EU-Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, warnte dieser Tage davor, die aktuelle Lage zu übertreiben: Die Kontrolle der Außengrenzen funktioniere besser als früher, wie der Rückgang der Zahlen am Mittelmeer zeige. 2015 waren noch mehr als eine Million Menschen in Südeuropa angekommen, 2016 nur noch 362 000 und 2017 etwa 172 000. Auch wenn nun in Spanien die Zahlen steigen: Von einer Flüchtlingskrise am Mittelmeer könne man angesichts der Gesamtentwicklung nicht mehr reden, meinte Leggeri.