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Die mühsame Arbeit der Helfer am Todesberg

Seyne-les-Alpes. 40 Spezialisten sind an der Absturzstelle des Airbus A320 im Einsatz, um sterbliche Überreste und Wrackteile zu bergen. Von 78 Opfern wurde bereits die DNA gesichert. Der Flugdatenschreiber ist aber noch verschollen. Christine Longin

Es ist eine schwere Arbeit, die rund 40 Polizisten, Ermittler und Bergretter auf der Rückseite des Berggipfels Pic d'Estrop verrichten. Sie suchen dort nach sterblichen Überresten der 150 Insassen des abgestürzten Airbus A320 und vor allem nach dem Flugdatenschreiber der Maschine. Von 78 Opfern sei bereits die DNA gesichert worden, teilte der Staatsanwalt von Marseille , Brice Robin, am Sonntag laut französischen Fernsehberichten mit.

Mit Proben "ante mortem", also Material "vor dem Tod" wie Zahn- oder Haarbürsten, muss diese schwierige Arbeit gemacht werden. Die Angehörigen brachten am Donnerstag 4500 solcher Alltagsgegenstände der Verstorbenen mit, um die Leichenteile zuzuordnen.

Seit Mittwoch bringen Hubschrauber die sterblichen Überreste der Insassen ins Tal, wo sie zunächst in dem Dorf Seyne-les-Alpes gelagert und dann nach Marseille und Paris gebracht werden. Auch die Wrackteile der Germanwings-Maschine werden - teilweise an Seilen am Hubschrauber befestigt - aus fast 3000 Metern Höhe abtransportiert. Doch schon in den nächsten Tagen sollen Planierraupen einen Weg frei räumen, der den Zugang auch vom Boden aus zu der Absturzstelle ermöglicht. So können dann auch größere Teile geborgen werden. Immer noch suchen die Einsatzkräfte den Flugdatenschreiber von Flug 4U9525, der endgültig Aufschluss über die Absturzursache geben soll. 24 Stunden lang wird das rund vier Hektar große Gelände bewacht, auf dem die tausenden kleinen Trümmer des A320 und die Leichenteile der Insassen liegen.

"Wir schlafen neben einem Friedhof mit 150 Toten", beschreibt Philippe Thomy von der Gebirgsgendarmerie in Grenoble den Einsatz in der Zeitung "Journal du Dimanche". Mit Scheinwerfern und Nachtsichtgeräten ausgestattet sollen die Polizisten verhindern, dass Neugierige in die Region vorstoßen. Erste Fußspuren wurden bereits gesichtet. Außerdem sollen die Beamten wilde Tiere fernhalten.

Auf der anderen Seite des Pic d'Estrop erinnert im Örtchen Le Vernet seit Donnerstag eine Steinstele an die Opfer der Katastrophe. "In Erinnerung an die Opfer des Flugzeugabsturzes vom 24. März 2015" steht auf deutsch, spanisch, französisch und englisch in goldener Schrift auf der grauen Steinplatte, vor der viele Blumen und Fotos liegen. Auch am Wochenende kamen vereinzelt Angehörige, um dort zu gedenken - von Gendarmen abgeschirmt. "Die Familien haben keine Leichen, sie können niemanden begraben", sagt der Bürgermeister des Ortes Le Vernet, François Balique. "Die einzige Verbindung, die sie mit den Toten haben, ist hier."