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Hilfspaket läuft aus
Die griechische Durststrecke ist noch nicht überstanden

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Zum Feiern ist den Griechen nicht zumute. Die Wiederentdeckung der finanziellen Selbstständigkeit mag etwas für die Politiker und Haushaltsexperten sein. Die Menschen spüren nicht, was sie gewonnen haben. Von Detlef Drewes

Und sie werden noch zu spüren bekommen, dass die Durststrecke keineswegs überstanden ist. Zu groß sind die Zweifel, ob sich die erreichten Reformen irgendwann auszahlen und ob die Investoren dem Land wieder vertrauen.


Auch die durchaus zahlreichen Projekte, die von den Verteidigern der Euro-Hilfspakete als Beleg für eine gelungene Operation zitiert werden, dokumentieren eher einen neuen Machtkampf im Lande, weil die Krisengewinnler nun auf neue Weise versuchen, aus der Situation Profit zu schlagen, der weder den Rentnern noch den jungen Leuten zugutekommt.

Dabei war es richtig, dass die Geldgeber die Hellenen zu Reformen zwangen, die keine Athener Regierung aus eigener Kraft hatte durchsetzen können. Die Euro-Partner, der Internationale Währungsfonds, die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank haben sogar dann viel richtig gemacht, als sie auf falsche Konzepte setzten. Die Grundthese, dass man sparen muss, um mehr Einnahmen zu generieren, hat bisher nicht funktioniert. Griechenland steht am Ende der Hilfsprogramme nicht weniger gefährdet da als vorher. Aber es wurden Umbauten in Gang gesetzt, die notwendig sind, aber sich noch lange nicht auszahlen. Das scheint das Problem. Die Reform eines überbordenden und letztlich unbezahlbaren Sozialsystems ist zu dessen Demontage geworden. Rentner und andere Leistungsempfänger haben kaum genug zum Überleben. Vor der Krise war der hellenische Staat pleite, jetzt sind es die Hellenen selber.



Doch am Ende waren die Geldgeber es leid, sich den öffentlichen Streit mit ihren Bürgern um ein weiteres Hilfspaket anzutun. Also wird das Land finanzpolitisch wieder sich selbst überlassen, was niemand mit einer Sanierung verwechseln sollte.