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Die französische Politik aus saarländischer Sicht

Rehlingen-Siersburg. Carsten Pilger aus Rehlingen-Siersburg liefert in seinem Internet-Blog Analysen und Hintergründe zum spannenden Kampf um den Elysée-Palast. Hélène Maillasson

Im Saarland ist die Wahl vorbei. Doch in ein paar Tagen steht eine Abstimmung an, die auch Konsequenzen für unsere Grenzregion haben könnte, nämlich in Frankreich. Der erste Wahlgang ist bereits am Sonntag, die Stichwal Anfang Mai. Was wird aus der unsichtbaren Grenze zwischen dem Saarland und Lothringen, wenn die Europagegnerin Marine Le Pen an die Macht kommt? Kann ihr der unabhängige Emmanuel Macron noch einen Strich durch die Rechnung machen? Kommt der Linke Jean-Luc Mélenchon doch in die Stichwahl? Was wird aus Frankreichs Volksparteien, den Sozialisten und den Republikanern?

Das alles verfolgt und analysiert Carsten Pilger aus Rehlingen-Siersburg auf seinem Blog "Die sechste Republik". Schon früh interessierte sich der Saarländer für Politik. Während seines Bachelor-Studiums in Trier ergab sich die Gelegenheit für ein Auslandsjahr in Bordeaux. Im Südwesten des Landes verliebte er sich in das Land und in die Sprache. "Ich bin nicht der Einzige. Viele Deutsche interessieren sich für Frankreich, auch für den aktuellen atypischen Wahlkampf dort.

Doch leider nicht jeder kann so gut Französisch", sagt Pilger. Und so kam ihm die Idee für den Blog. Nicht nur die Kandidaten werden mit ihren Programmen unter Pilgers saarländische Lupe genommen. Er analysiert die Lage, schreibt Hintergrundberichte, führt Interviews zu ernsten Themen und dreht Videos mit eher satirischen Zügen.

Fünf bis sechs Stunden widmet Pilger wöchentlich der "sechsten Republik". Die Kontakte dafür und das gute Verständnis für das französische System zieht er vor allem aus seiner eigenen Erfahrung. Zwischen Bachelor- und Masterstudium verbrachte er ein Jahr in Paris. Sechs Monate lang besuchte er die Elite-Schule Sciences Po, sechs Monate lang arbeitete er im Rahmen eines deutsch-französischen Austausches in der französischen Nationalversammlung (Assemblée Nationale) als Assistent einer Abgeordneten.

Besuchergruppen aus dem Wahlkreis empfangen, Bürgerzuschriften beantworten, aber auch Fragen an die Regierung verfassen: "Der Job war sehr vielfältig und hat richtig Spaß gemacht. Dadurch habe ich einen tiefgründigeren Eindruck der Parlamentsarbeit in Frankreich bekommen." Und nebenbei wichtige Akteure getroffen, die heute auch gerne als Ansprechpartner für den Blog zur Verfügung stehen.

Das System kennt Pilger also von Innen, er weiß, was hinter den Kulissen passiert. Und er hat auch ein Gespür für den Puls der Zeit. Frühzeitig sagte er bei der Vorwahl der Konservativen einen Sieg von François Fillon voraus. Für die meisten deutschen Beobachter war das eher eine Überraschung.

Dass dieser letztlich dermaßen von Skandalen eingeholt werden würde, ahnte aber selbst Pilger nicht. Dennoch kann er fassungslosen Deutschen verständlich erklären, warum Fillon sich als Kandidat seiner Partei hielt. "Man muss die Eigenarten der französischen Politkultur betrachten, die Hartnäckigkeit der belasteten Politiker. Bei unseren Nachbarn bedeuten Skandale nicht zwangsläufig das Ende der politischen Karriere, wie es in Deutschland meistens der Fall ist."

An eine Prognose, wer im Mai in den Elysée-Palast einzieht, traut sich längst keiner mehr. Pilger meint, das mache das Ganze aber interessant: "Der Wahlkampf hat eine Eigendynamik entwickelt, es ist manchmal besorgniserregend, aber zugleich sehr spannend."

Wie Frankreichs Zukunft aussieht, wird Pilger auf jeden Fall weiterhin verfolgen. Ob der Blog nach der Wahl ebenfalls bestehen bliebt? Mal sehen, sagt er. Zurzeit schließt Pilger sein Masterstudium in Berlin ab - und behält den französischen Wahlkampf im Auge. Wer weiß, ob noch eine überraschende Wende kommt.

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