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Die bestreikte Republik

Berlin. Piloten, Lokführer, Erzieher, Metaller: Deutschland befindet sich offenbar voll im Streikfieber. Gemessen an den Ausfalltagen fallen die Arbeitskämpfe hierzulande im internationalen Vergleich aber eher gemäßigt aus. Stefan Vetter

Die Hoffnung der Bahn-Kunden auf ein vorzeitiges Ende des Lokführer-Streiks währte nur kurz: Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL , Claus Weselsky, wies gestern einen Lösungsvorschlag der Deutschen Bahn zurück und warf dem Konzern erneut einen "PR-Gag" und "Tricks" vor. Der Streik werde wie geplant bis Sonntagmorgen fortgesetzt.

Die GDL habe das Angebot der Bahn als unzureichend abgelehnt, sagte Weselsky auf einer Kundgebung in Berlin . Darin stehe "nichts, aber auch gar nichts" Neues, außer, den früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD ) zu den Verhandlungen hinzuzuziehen. Wenn die Deutsche Bahn sich bei den Verhandlungen begleiten lassen wolle, sei das "ihre Sache", sagte Weselsky. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte Platzeck als unabhängigen Dritten ins Gespräch gebracht.

Am Vormittag hatte Weselsky noch kompromissbereiter geklungen. In einem Interview deutete er zumindest ein vorzeitiges Ende des Streiks an. Bei seinem Auftritt vor GDL-Mitgliedern in Berlin warf der Gewerkschaftschef der Bahn dann erneut vor, erst die Medien über ihren Lösungsvorschlag informiert zu haben und anschließend erst die GDL . Die Gewerkschaft lasse sich aber nicht mit einem "PR-Gag" diktieren, ihren Streik zu unterbrechen. Weselsky monierte erneut, dass die Bahn inhaltsgleiche Tarifverträge mit der GDL und der EVG zur Vorbedingung mache.