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Deutschen fehlt Zeit für Freunde und Familie

75,5 Prozent sind regelmäßig online. Foto: dpa
75,5 Prozent sind regelmäßig online. Foto: dpa FOTO: dpa
Hamburg. Freunde in der Kneipe treffen? Mal zu Oma fahren? Bei vielen Deutschen sind persönliche Kontakte seltener geworden. Das zeigt die repräsentative Umfrage „Freizeit-Monitor“. afp/dpa

Internet und Sport statt Treffen mit Verwandten oder Freunden: Bei der Freizeitgestaltung setzen die Deutschen einer neuen Studie zufolge zunehmend andere Schwerpunkte. Der Anteil derer, die regelmäßig im Internet surfen, Musik hören oder ins Fitnessstudio gehen, sei zwischen 2011 und 2016 deutlich gestiegen, teilte die Stiftung für Zukunftsfragen gestern bei der Vorstellung des "Freizeit-Monitors" mit. Auf der anderen Seite sank demnach der Anteil derjenigen, die sich mindestens einmal pro Woche mit Freunden zu Hause treffen, ihre Enkel besuchen oder mit den Nachbarn plaudern. Viele Deutsche seien "zunehmend Getriebene in ihrer eigenen Freizeit, wollen sie doch alles erleben und nichts verpassen", sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt.


Den Angaben zufolge sind persönliche Begegnungen im Fünf-Jahres-Vergleich die großen Verlierer unter den Freizeitaktivitäten. So ist die Zeit für regelmäßige Treffen mit Freunden zu Hause um ein Drittel auf 17 Prozent zurückgegangen. Um ein gutes Viertel sanken auch Unternehmungen mit Freunden. Die Besuche von Enkeln bei ihren Großeltern sind zu rund einem Viertel seltener geworden, das Spielen mit Kindern um ein Fünftel auf 26,7 Prozent. "Wir haben heute weniger Zeit durch mehr Optionen in der Freizeit", erklärte Reinhardt. "Und wir nehmen uns weniger Zeit für Freunde und die Familie." Dabei überrasche, dass viele Menschen sich das anders wünschten.

Zu den Gewinnern im Fünf-Jahres-Vergleich zählt der Sport, mehr als ein Drittel der Interviewten ist aktiv, jeder Zehnte schwitzt in einem Fitnessstudio. Zuwächse gibt es auch bei kulturellen Aktivitäten wie Rock- und Popkonzerten, Kino und Volksfesten. Verlierer mit einem deutlichen Minus von 32 Prozent sind dagegen Theater, Ballett und Oper. Insgesamt gesehen ist das Fernsehen nach wie vor die häufigste Freizeitbeschäftigung der Deutschen, 98 Prozent schauen regelmäßig. Es folgen Radiohören, Internet und den eigenen Gedanken nachgehen.