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Saarländer auf Weltraum-Mission
Vom kleinen Oberthal ins große All

Übung macht den Meister: Der gebürtige St. Wendeler Matthias Maurer ist seinem Traum vom Weltraum ein großes Stück näher gekommen.
Übung macht den Meister: Der gebürtige St. Wendeler Matthias Maurer ist seinem Traum vom Weltraum ein großes Stück näher gekommen. FOTO: Stephane Corvaja/Esa / Stephane Corvaja
St. Wendel/ Köln. Während „Astro Alex“ über der Erde schwebt, bereitet sich am Boden der nächste Deutsche auf seine Weltraum-Mission vor: der Saarländer Matthias Maurer. Von Jonas-Erik Schmidt, dpa, und Fatima Abbas, SZ
Fatima Abbas

Als Kind wollte er mal ganz „gewöhnliche“ Berufe ergreifen, Berufe wie Pilot oder Formel-1-Fahrer. Als Erwachsener überlegt es sich Matthias Maurer dann doch noch mal anders. Er will plötzlich hoch hinaus. Um genau zu sein: ins Weltall.


Was für den größten Teil der Menschheit ein ganzes Leben lang unerreichbar bleibt, könnte für den 48-jährigen Astronauten aus Oberthal in absehbarer Zeit Realität werden. So hat es Esa-Chef Jan Wörner versprochen: „Wir werden es schaffen, dass innerhalb der nächsten drei Jahre geflogen wird.“ Mit anderen Worten: Der nächste Deutsche fliegt bald ins All. Wenn Maurer wie geplant hoch hinaus darf, dann wäre er der erste Saarländer im Weltraum.

Maurer hat den Weg dafür geebnet. Seine Grundausbildung ist abgeschlossen, er darf sich nun offiziell Esa-Astronaut nennen. Der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) überreicht ihm das gerahmte Astronauten-Zertifikat – ein Zeugnis, das sich nur wenige Auserwählte an die Wand hängen können. Was ihm jetzt noch fehlt, ist das Training für die genaue Mission, die er eines Tages antreten wird. Maurer wäre der zwölfte Deutsche im All. Der elfte drückt bereits die Daumen: „Glückwunsch an meinen Kollegen @Explornaut zum erfolgreichen Abschluss der Astronautenausbildung – auf zu den Sternen!“, twitterte „Astro-Alex“ Alexander Gerst von der ISS. Die Plätze zu den Sternen sind begrenzt. „Wir als Esa haben einen Flug zur ISS pro Jahr für das Astronautenkorps mit gerade sieben aktiven Astronauten“, rechnet Maurer vor. Zwei davon seien bereits bedient – der deutsche Gerst befindet sich gerade auf der Internationalen Raumstation, der Italiener Luca Parmitano hat ein Ticket für 2019. „Das heißt, wir sind nun fünf Kollegen im Wartemodus“, sagt Maurer. Die anderen seien zwar alle schon geflogen – das bedeute aber nicht automatisch, dass die Wahl nun auf ihn falle. „Die anderen wollen ja auch gerne wieder hoch“, sagt er. „Weltraum macht süchtig.“



Maurer ist gebürtiger St. Wendeler, hat einen Doktortitel in Materialwissenschaft. 2008 bewarb er sich beim Esa-Astronautenprogramm und ließ 8500 Bewerber hinter sich. 2017 wurde verkündet, dass er nun Teil des aktiven Esa-Astronautenkorps ist – als zweiter Deutscher neben Gerst.

Hinter ihm liegt eine knüppelharte Ausbildung. In Schweden wurde Maurer bei bitterkalten Temperaturen in ein Überlebenstraining geschickt, ohne Schlafsack, ohne Zelt, ohne Proviant. Er lernte Russisch und Chinesisch und verbrachte 16 Tage in einer Station unter Wasser. Simulation einer Mars-Mission.

In den USA trainierte Maurer auch in einem riesigen Becken, in dem die ISS nachgebaut wurde, Weltraumspaziergänge. Ziel der mehrstündigen Tauchgänge ist es, in kurzer Zeit alles kennen zu lernen, was kaputt gehen kann – und das ist viel. „Es wird daher richtig Gas gegeben und man wird mit Absicht müde gemacht“, berichtet Maurer. Da in dem Szenario sein Partner irgendwann bewusstlos wird, müsse man ihn ständig im Blick behalten und dann ganz schnell in die Raumstation ziehen. „Man muss also mental und körperlich immer zu 100 Prozent da sein“, sagt Maurer – immer unter dem kritischen Blick der Prüfer. „Nach jedem dieser Tauchgänge war ich reif für’s Wochenende.“

Die Esa hat aus all dem ein hübsches Video zusammengeschnitten. Es erinnert ein wenig an die erste Folge einer Superhelden-Serie, in der der Protagonist lernt, welche Fähigkeiten er hat. Die Frage ist nun, wann er sie zeigen darf.

Maurer weiß, dass er bald alles in einem sein wird: Entdecker, Botschafter, Held der Kinderzimmer. Kurz blickt er dennoch auch zurück ins Saarland. „Meine Großväter waren einfache Bergarbeiter im Kohlebergbau“, sagt er. „Die hätten sich nie im Leben vorstellen können, dass ich mal Astronaut werde.“

Auch Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gratulierte gestern in Köln dem Mann, der voraussichtlich der erste Saarländer im All sein wird, und nannte ihn einen „herausragenden Botschafter“ für die Großregion.
Auch Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gratulierte gestern in Köln dem Mann, der voraussichtlich der erste Saarländer im All sein wird, und nannte ihn einen „herausragenden Botschafter“ für die Großregion. FOTO: Staatskanzlei Saarland