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| 21:00 Uhr

Der Sozialreformer

Immer noch agil und tatendurstig. Peter Hartz wird heute 75 Jahre alt. Foto: Settnik/dpa
Immer noch agil und tatendurstig. Peter Hartz wird heute 75 Jahre alt. Foto: Settnik/dpa FOTO: Settnik/dpa
Siersburg. Peter Hartz, Sohn eines Arbeiters, hat als Arbeitsdirektor bei den Saar-Hütten und VW sozialpolitisches Neuland betreten. Bekannt machten ihn Gerhard Schröders Arbeitsmarktreformen. Hartz wird heute 75 Jahre alt. Lothar Warscheid

"Wer arbeitet, bleibt frisch und agil." Peter Hartz kann sich noch immer ein Leben ohne Aufgaben nicht vorstellen. Nur heute wird er sich wohl eine Pause gönnen. Denn er wird 75 Jahre alt. Seinen Geburtstag will er "im Kreise der Familie" in seinem Haus in Siersburg feiern.

Derzeit beschäftigt sich Hartz unter anderem mit den "Longinos". Das ist keine Hunderasse, sondern es sind die Menschen, die zwischen 75 und 90 Jahre alt sind. Deren Zahl wird in den kommenden Jahren spürbar anwachsen. "Diese Leute brauchen eine sinnvolle Beschäftigung", sagt Hartz Vor allem das Saarland stehe vor einer großen Herausforderung. "Im Jahr 2025 gehören schon 280 000 Frauen und Männer zur Altersgruppe der Longinos."

Dass Peter Hartz einmal Sozialgeschichte schreiben würde, ist ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Der Sohn eines Hüttenarbeiters wächst mit seinen zwei Brüdern Kurt und Rudi in St. Ingbert auf. Nach der Mittleren Reife macht er eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Er wird Mitglied der IG Metall und der SPD , holt auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studiert Betriebswirtschaftslehre. Ab 1976 arbeitet er als Arbeitsdirektor in der saarländischen Stahlindustrie.

Bis 1993 war Hartz in den Saar-Hütten für die Personalpolitik verantwortlich. Es war eine Zeit der Krisen - vor allem in Völklingen. "Wir mussten die Zahl der Mitarbeiter von 38 000 auf 11 000 herunterfahren", erinnert er sich. "Das alles geschah ohne betriebsbedingte Kündigungen." Mit der Stahlstiftung rief Hartz die erste bundesdeutsche Transfergesellschaft ins Leben. "Die Leute brauchten eine Perspektive" - auch wenn eine Anschlussbeschäftigung für viele nicht mehr in Frage kam.

1993 holte ihn der damalige VW-Chef Ferdinand Piëch als Personalvorstand zum Wolfsburger Autobauer. Auch dort drohten Massenentlassungen, 30 000 Beschäftigte waren zu viel an Bord. Hartz erfand die Vier-Tage-Woche, eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich - aber kein VW-Mitarbeiter landete auf der Straße. Mit dem Tarifmodell "5000 x 5000" schaffte er Langzeitarbeitslosen eine Perspektive. Seine Name ist aber vor allem mit den Arbeitsmarktreformen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD ) und seiner rot-grünen Regierung verbunden. Im Sommer 2002 legte Hartz als Leiter einer Experten-Kommission einen Katalog von Vorschlägen für eine "arbeitsmarktpolitische Radikalkur" vor. Das letzte der vier Gesetze - "Hartz IV" - prägt bis heute diese Jahrhundertreform, von der längst nicht alle überzeugt sind. Immerhin ist seit 2005, als Hartz IV in Kraft trat, die Zahl der Arbeitslosen von 3,8 auf 2,66 Millionen gesunken.

Die Zeit von Hartz bei VW endete jäh. Seine Verwicklung in die Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten brachte ihn zu Fall. 2007 wurde er wegen Untreue und Begünstigung von Betriebsräten zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt.

Heute hat er all das hinter sich gelassen. Seine saarländische Heimat gibt ihm Ruhe und Halt. Er dankt es seinen Landsleuten, indem er sie weltweit zusammen bringt und vernetzt. SHS Foundation heißt die Stiftung, wobei SHS für "Saarländer helfen Saarländer" steht. In jedem Land der Erde gibt es inzwischen einen Landsmann, der einen kennt, oder bemüht ist, einen kennenzuler nen.