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Der neue Bahnchef räumt an der Spitze gründlich auf

Berlin. Der neue Vorstandschef der Bahn, Rüdiger Grube (Foto: dpa), hat nach nur 13 Tagen im Amt reinen Tisch gemacht. Die Spitze des Unternehmens wird als Konsequenz aus der Datenaffäre praktisch komplett umgebaut. Vier Vorstände und weitere Top-Manager müssen gehen, beschloss der Aufsichtsrat gestern Von SZ-Korrespondent Werner Kolhoff

Berlin. Der neue Vorstandschef der Bahn, Rüdiger Grube (Foto: dpa), hat nach nur 13 Tagen im Amt reinen Tisch gemacht. Die Spitze des Unternehmens wird als Konsequenz aus der Datenaffäre praktisch komplett umgebaut. Vier Vorstände und weitere Top-Manager müssen gehen, beschloss der Aufsichtsrat gestern. Zugleich veröffentlichte das Unternehmen die Untersuchungsberichte zu den Affären und bekannte öffentlich, dass bei der Überwachung von Mitarbeitern gegen zahlreiche Gesetze und konzerninterne Richtlinien verstoßen worden sei. Grube versprach einen "klaren Neuanfang". Man prüfe auch Strafanzeigen. Aufsichtsratschef Werner Müller wollte die gestern entlassenen Vorstände allerdings nicht persönlich für die Vorkommnisse verantwortlich machen. Sie hätten ihren Rücktritt selbst angeboten und dabei überzeugend erklärt, dass sie von den Machenschaften nichts gewusst hätten. Demzufolge gebe es auch keine Regress-Forderungen. Aber sie seien "ähnlich wie in der Politik" eben verantwortlich gewesen. "Es ist eine doofe Situation. Aber hier ist über Jahre hinweg großer Mist geschehen." Man habe nun einen "Schlussstrich" gezogen. Die Entscheidung trifft den für den Logistikbereich zuständigen Norbert Bensel, den Leiter des Politikressorts, Bayerns Ex-Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, und Personalvorstand Margret Suckale, die allerdings schon vor einigen Tagen bei BASF einen neuen Vertrag unterzeichnet hatte. Unterhalb der Vorstandsebene müssen die Chefs der Konzernrevision, Josef Bähr, der Chef der Compliance-Abteilung (Einhaltung der Regeln), der frühere Frankfurter Staatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, und der Leiter der Konzernsicherheit, Jens Puls, das Unternehmen umgehend verlassen. 24 weitere Mitarbeiter seien identifiziert, bei denen arbeitsrechtliche Konsequenzen geprüft würden. Den von den Überwachungsmaßnahmen Betroffenen versprach Grube uneingeschränkte Informationen über das, was geschah, und moralische Wiedergutmachung. Die Bereiche Compliance, Datenschutz und Recht sollen künftig zu einem neuen Vorstandsressort zusammengeführt werden. Namen dafür ebenso wie für die Besetzung der frei gewordenen Vorstandsposten wurden noch nicht genannt, doch führe man bereits Gespräche, sagte Müller. Die Entscheidungen sollen voraussichtlich am 25. Mai fallen. "Hygiene und Unternehmenskultur" seien für ihn von herausragender Bedeutung, sagte Grube. "Es geht um die Schaffung einer neuen, vertrauensvollen Zusammenarbeit". Um das gegenseitige Vertrauen stand es unter Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn den gestern veröffentlichten Untersuchungsberichten der Sondergutachter Herta Däubler-Gmelin (SPD) und Gerhart Baum (FDP) sowie der Unternehmensberatungsgesellschaft KPMG zufolge nicht zum Besten. Allerdings konnten die Ermittler eine direkte Verantwortung Mehdorns oder anderer Vorstände nicht nachweisen. So wurden bei drei Aktionen zwischen 1998 und 2006 die Daten aller Mitarbeiter ohne deren Wissen mit denen von Zulieferern abgeglichen, um Korruption aufzuspüren. Dafür überließ die Bahn die Daten externen Dienstleistern. Hier sei, sagte Grube, sowohl gegen die Verhältnismäßigkeit als auch gegen das Bundesdatenschutzgesetz, das Betriebsverfassungsgesetz, die Mitbestimmung und bahninterne Richtlinien verstoßen worden. Zudem wurden private Detekteien beauftragt, Kontoauszüge, Kontobewegungen, Steuerdaten und Kfz-Halterdaten von kleineren Gruppen von Mitarbeitern zu überprüfen. Angaben, "die auf legalem Wege nicht zu erhalten sind", wie Grube betonte. Als besonders schwerwiegend wertete der neue Bahn-Chef das systematische Scannen von E-Mails und die Ausforschung ganzer Festplatten einzelner Mitarbeiter, mit denen die Konzernsicherheit Informationslecks aufspüren wollte. Grube will nun die Administratorrechte im IT-Bereich neu ordnen und die Konzernrevision sich selbst direkt unterstellen. "Wir werden ohne Kompromisse die höchsten Standards beim operativen Datenschutz umsetzen", betonte der Bahn-Chef. Dass er das ernst meint, haben gestern etliche Manager gespürt, die sich nun ihre Papiere holen können. Ein Sonderfall ist offenbar der Personalvorstand und Ex-Chef der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen. Hansen sei ernsthaft erkrankt und scheide aus diesem Grund aus, hieß es. "Ich verspreche einen klaren Neuanfang."Rüdiger Grube, neuer Vorstandschef der Bahn