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Der lange Weg zum deutschen PassWer Deutscher werden will, muss einige Kriterien erfüllen

Berlin/Dresden. Warum Raghava Reddy Kethiri ausgerechnet Deutscher werden will, weiß er ganz genau. "Deutschland ist ein tolles Land", sagt er. Hier zu leben bedeutet für ihn "Lebensqualität". Kethiri gehört zu einer Gruppe von Einwanderern, der heute bei einem Festakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen wird Von ddp-Mitarbeiterin Karina Scholz

Berlin/Dresden. Warum Raghava Reddy Kethiri ausgerechnet Deutscher werden will, weiß er ganz genau. "Deutschland ist ein tolles Land", sagt er. Hier zu leben bedeutet für ihn "Lebensqualität". Kethiri gehört zu einer Gruppe von Einwanderern, der heute bei einem Festakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen wird. Die Kanzlerin hatte in ihrer jüngsten Video-Botschaft dazu aufgerufen, Migration als Chance zu begreifen. Bei Kethiri stößt sie damit auf offene Ohren. Er freut sich besonders darauf, als Deutscher endlich wählen zu dürfen.


Die Einbürgerung sei ihm wichtig, um sich zu integrieren, erzählt Kethiri. Der 46-Jährige arbeitet als Chemiker und Dozent an der Technischen Universität Dresden und fühlt sich in Deutschland schon lange zu Hause. Mit ihm bekommen auch seine zwei Kinder die deutsche Staatsbürgerschaft. "Meine Kinder sind echte Deutsche", sagt Kethiri. Der neun Jahre alte Shashruth und die sechsjährige Shaktisena sind in Deutschland geboren und sprechen kaum indisch. Kethiri will sie trotzdem mit der indischen Kultur und dem hinduistischen Glauben vertraut machen. Es sei wichtig, dass seine Kinder ihre Herkunft kennen, findet der Vater.

Kethiri ist in einem kleinen Dorf im Süden Indiens aufgewachsen. Er studierte im Norden des Landes Chemie, promovierte und kam durch ein Stipendium 1997 zunächst nach Karlsruhe. 2001 wechselte er an das Institut für organische Chemie der TU Dresden. Sein Spezialgebiet ist die Tuberkuloseforschung. Kethiri ist hoch qualifiziert und könnte "eigentlich überall" arbeiten. Doch er hat sich vor zwölf Jahren für Deutschland entschieden. Was ihm hier besonders gut gefällt ist, "dass man eigenverantwortlich arbeiten kann", sagt der Wissenschaftler.



Das Einbürgerungsverfahren empfand Kethiri nicht als kompliziert. "Das war ganz locker", sagt er. Im neuen Einbürgerungstest, den Zuwanderer seit September des vergangenen Jahres bestehen müssen, habe er keinen einzigen Fehler gemacht, erzählt er lachend. Das Wissen um Demokratie und Geschichte sei aber "sehr wichtig", betont er.

Bis zum Bestehen des Einbürgerungstests war es für den Inder trotz allem ein langer Weg. Schon 2007 hat er den Antrag auf Einbürgerung bei der Ausländerbehörde gestellt. Danach folgte eine sorgfältige Überprüfung seiner Identität, bei der sogar seine Eltern in Indien über ihren Sohn befragt wurden. Kethiri erwies sich als geduldiger Mensch und findet auch nach dem erfolgreichen Einbürgerungsverfahren ausschließlich lobende Worte über die deutschen Behörden. Er habe viel Hilfe bekommen und sei durch regelmäßige Briefe über den Bearbeitungsstand seiner Unterlagen informiert worden.

Die Bundeskanzlerin dürfte eine solche Sympathie für Deutschland freuen. Sie verleiht Kethiri und 15 weiteren Einwanderern heute im Kanzleramt die Einbürgerungsurkunden. Für Kethiri wird das ein ganz besonderer Moment sein. "Das ist eine große Ehre für mich", schwärmt er. Die Kanzlerin kenne er bisher nur aus dem Fernsehen. Gleichwohl hat der indische Wissenschaftler schon eine gewisse Übung im Auftritt mit deutschen Staatsoberhäuptern: 1997 traf er den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog bei einem Empfang für Stipendiaten.

Bei so viel Pathos für die neue deutsche Heimat sorgt im Hause Kethiri eine für Distanz: Kethiris Ehefrau ist Inderin und will es auch bleiben. "Für unsere Kinder macht das keinen Unterscheid", sagt Kethiri. Für Shashruth und Shaktisena soll einmal "die ganze Welt" offenstehen. "Das ist die Globalisierung", resümiert er.

In den Reihen der Union sowie bei der SPD und den Grünen stößt Angela Merkel hingegen auf Skepsis. Der innenpolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Stephan Mayer, sagte der "Berliner Zeitung", die Einbürgerung von Migranten setze deren Eingliederung in die Gesellschaft voraus. "Das Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft kann kein Mittel zur Integration sein", sagte er. Man dürfe den Arbeitsmarkt angesichts der Wirtschaftskrise nicht überfordern.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir warf der Union vor, immer höhere Hürden für die Einbürgerung aufgebaut zu haben. Er kritisierte insbesondere den "unsinnigen Einbürgerungstest" und das Nein zur doppelten Staatsbürgerschaft. Vor allem deshalb seien die Einbürgerungszahlen 2008 um 20 Prozent zurückgegangen.

Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz forderte, Deutschland solle auf das Optionsmodell verzichten, weil es junge Menschen dazu zwinge, sich zwischen dem bisherigen und dem deutschen Pass zu entscheiden.Berlin. Wer deutscher Staatsbürger werden möchte, muss seit dem 1. September 2008 einen Einbürgerungstest zum Nachweis von "Kenntnissen der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse in Deutschland" bestehen. Der Test enthält 33 Fragen aus einem Katalog mit 300 bundeseinheitlichen und zehn landesspezifischen Fragen. 17 Fragen müssen richtig beantwortet werden.

Weitere Voraussetzungen sind ausreichende Sprachkenntnisse, eine Aufenthaltserlaubnis, ein mindestens achtjähriger, durchgehender Inlandaufenthalt und das Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes.

Zudem darf der Antragssteller nicht über eine doppelte oder mehrere Staatsbürgerschaften verfügen, vorbestraft sein oder im Verdacht stehen, sich extremistisch oder terroristisch zu betätigen.

Bei dem Einbürgerungstest werden zum Beispiel Landeswappen, Hauptstädte oder geschichtliches Wissen abgefragt. Auszüge aus dem Fragenkatalog gibt es online. dpa

"Deutschland ist ein tolles Land.

Das ist eine große Ehre für mich."

Raghava Reddy Ketheri über seine Einbürgerung