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Moskau
Der Kreml-Chef ist müde geworden

FOTO: SZ / Robby Lorenz
So richtigen Mumm legt Präsidentschaftskandidat Wladimir Putin nicht mehr an den Tag. Es muss auch schwierig sein, wenn der Ausgang der Wahl vorher feststeht und die Sache auch ohne Anstrengung über die Bühne gehen kann. Auf der ersten Pressekonferenz als endgültiger Kandidat trug Putin keinen zündenden Gedanken vor, der einen Blick in die Zukunft des Landes in den nächsten sechs Jahren erlaubt hätte.

Alles war schon einmal da. Putin mag müde sein nach 18 Jahren Führung. Verständlich. Doch was ist mit Stab und Beratern? Sollten auch sie die Lust verloren haben? Oder sind sie der ewigen Scheinaktivitäten überdrüssig? Jener nicht enden wollenden Modernisierungs-Mimikry? Erschreckend: Russland hat noch immer keinen Plan, wie es im Land weitergehen könnte. Ein vermeintlich bösartiger Westen wird händeringend heraufbeschworen, um sich auf den Beinen halten zu können. Der Kreml steht wieder vor einem Zielkonflikt, einer Endlosschleife. Vor diesem Hintergrund fehlt es der Kremlaussage, die russische Opposition brächte nicht die „nötige Reife“ auf, um Verantwortung zu übernehmen, nicht an Unterhaltungswert.