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Der Islamist Daniel Schneider war sein großes Vorbild

Vor diesem Ladenlokal in der Neunkircher Innenstadt wurde Kevin S. am Freitag von Spezialeinsatzkräften überwältigt. Foto: Hiegel
Vor diesem Ladenlokal in der Neunkircher Innenstadt wurde Kevin S. am Freitag von Spezialeinsatzkräften überwältigt. Foto: Hiegel
Saarbrücken/Neunkirchen. Die Operation lief planmäßig. Nach monatelangen Observationen durch Verfassungsschutz und Staatsschutz-Abteilung des Landeskriminalamtes (LKA) schlugen die Terror-Ermittler am Freitagmorgen zu. Kurz nach acht Uhr überwältigten Spezialeinsatzkräfte der Polizei den 18 Jahre alten dunkelhäutigen Kameruner Kevin S. in der Neunkircher Bahnhofstraße vor einem Ladenlokal Von SZ-Redakteur Michael Jungmann

Saarbrücken/Neunkirchen. Die Operation lief planmäßig. Nach monatelangen Observationen durch Verfassungsschutz und Staatsschutz-Abteilung des Landeskriminalamtes (LKA) schlugen die Terror-Ermittler am Freitagmorgen zu. Kurz nach acht Uhr überwältigten Spezialeinsatzkräfte der Polizei den 18 Jahre alten dunkelhäutigen Kameruner Kevin S. in der Neunkircher Bahnhofstraße vor einem Ladenlokal. Der junge Mann, der erst im Januar mit Mutter und Bruder von Recklinghausen nach Neunkirchen gezogen ist, leistete keinen Widerstand bei seiner Festnahme. Kevin S. war offenbar gerade unterwegs von seiner Wohnung in der Ziehwaldstraße zu einer Umschulungsmaßnahme der Arge.


In dem mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshaus in der Ziehwaldstraße soll er mehrere Drohvideos, die auf der Internet-Plattform "Youtube" veröffentlicht wurden, produziert haben. In den Videos wurde von einer vermummten Person die Freilassung des in der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken einsitzenden Islamisten Daniel Schneider gefordert. Der Maskierte drohte mit Bombenangriffen in Deutschland, sollte das zu zwölf Jahren Haft verurteilte Mitglied der Sauerlandgruppe nicht im Laufe des Novembers nach Afghanistan ausgeflogen werden.

LKA-Chef Franz Josef Biesel, der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, Helmut Albert, und Pressestaatsanwalt Bernd Meiners berichteten am Freitagnachmittag in einer Pressekonferenz über die Entwicklung im Fall Kevin S., bei dem es sich um einen Einzeltäter handle. Nachdem er Zeugen, die glaubten, ihn in den Videos erkannt zu haben, mit dem Tod gedroht hatte, sei Haftbefehl wegen Verdunkelungsgefahr ergangen. Die Ermittlungen gegen den 18-Jährigen laufen wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Bombenanschlägen. Er sitzt mittlerweile in der Jugendvollzugsanstalt Ottweiler.



Die Ermittler von Verfassungs- und Staatsschutz hatten Kevin S. seit April unter verschärfter Beobachtung. Von zunehmender Radikalisierung des jungen Mannes, der 2008 als evangelischer Christ zum Islam konvertiert ist, wurde berichtet. So habe er per Video im Internet zum "Dschihad" (heiliger Krieg) aufgerufen. In Neunkirchen wurden offenbar Kontakte ins Umfeld der dortigen Moschee bekannt.

Über Wochen kontrollierten die Verfassungsschützer auch die Kommunikationswege des Kameruners, der seit seinem dritten Lebensjahr in Deutschland lebt und hier die Realschule mit der mittleren Reife abschloss. So fiel auf, dass er sich im Internet Anleitungen zum Bau von Bomben besorgte. Staatsanwalt Meiners dazu: "Ihm fehlten aber die persönlichen und auch finanziellen Möglichkeiten, diese Pläne in die Tat umzusetzen." Eine Gefahr für die Öffentlichkeit habe zudem auch deshalb nie bestanden, weil Kevin S. in den letzten Wochen unter Beobachtung durch die Sicherheitsbehörden stand.

Verfassungsschutzchef Albert berichtete, der 18-Jährige habe versucht, in den "Dschihad" zu ziehen und in die Kampfgebiete in Afghanistan, Pakistan oder in den Jemen zu reisen. Dazu hätten ihm aber die finanziellen Mittel und auch die entsprechenden Kontakte gefehlt. Letztlich sei er wohl auf die Idee gekommen, seine Pläne in Deutschland zu realisieren. Der inhaftierte Daniel Schneider sei sein "großes Vorbild" gewesen, persönliche Kontakte habe es aber nie gegeben. Schneider hatte sich in dieser Woche erst über seinen Anwalt von den Drohvideos, mit denen seine Freilassung gefordert wurde, distanziert.