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„Der Front National verpatzt die zweite Runde“

Paris. Dem rechtspopulistischen Front National gelang es bei den Wahlen am Sonntag nicht, ein französisches Département zu gewinnen. Experten führen das auf die Isolierung der Partei zurück. Profitiert hat davon vor allem die konservative UMP von Nicolas Sarkozy. Christine Longin

Franck Briffaut hatte am Sonntagabend bis kurz vor 20 Uhr eine leise Hoffnung. Der Bürgermeister der französischen Kleinstadt Villers-Cotterêts malte sich insgeheim aus, der erste Vorsitzende eines Départementalrates zu werden, der dem rechtspopulistischen Front National (FN) angehört. "Wenn es ein Département gibt, wo der FN wirklich Chancen hat, dann ist es die Aisne", sagte der FN-Lokalpolitiker, der in seiner Stadt bei Wohnungen und Arbeitsplätzen Franzosen den Vorzug gibt. In seinem Wahlkreis gewann der ehemalige Soldat mit seinem nationalistischen Kurs die Stichwahl am Sonntag mit knapp 52 Prozent. Doch seine ausländer- und europafeindliche Partei wird das Département Aisne nordöstlich von Paris nicht führen. Denn insgesamt eroberten die "Frontisten" nur vier der insgesamt 21 Wahlkreise.

Auch knapp 800 Kilometer südlich im Vaucluse, rund um die alte Papststadt Avignon, ging die Rechnung für den Front National nicht auf: Die Partei von Marine Le Pen gewann nur in drei Wahlkreisen. Die ideologisch ähnlich gestrickte Ligue du Sud eroberte zwei weitere. Doch sechs Kantone gingen an die Linke und sechs weitere an das bürgerlich-konservative Lager. "Es herrscht schon eine Art von Enttäuschung", sagte die Le Pen-Nichte Marion Maréchal-Le Pen, die im Vaucluse massiv Wahlkampf gemacht hatte.

Elf FN-Bürgermeister



"Der FN verpatzt die zweite Runde", titelte die Pariser Tageszeitung "Le Monde " gestern. Denn die Rechtspopulisten hatten sich nach der ersten Runde vergangenen Sonntag gute Chancen auf einen Sieg sowohl im Vaucluse als auch in der Aisne ausgerechnet. Zumindest in einem der beiden so unterschiedlichen Départements wollten sie zeigen, dass sie in der Lage sind, auf regionaler Ebene zu regieren. In elf Kleinstädten stellen sie seit den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr die Bürgermeister. Nachdem der Front National dann im Mai 2014 mit 25 Prozent stärkste Kraft bei den Europawahlen wurde, schien für die Le-Pen-Partei alles möglich.

Bei gut 25 Prozent der Stimmen landete der Front National auch in der ersten Runde der Départementswahlen vergangenen Sonntag. Doch damit scheint für die Rechtspopulisten eine Grenze erreicht, die sie nicht überschreiten können. "Diese Ergebnisse zeigen das auf, was den Aufstieg der Frontisten bremst: das Wahlsystem, aber auch ihre politische Isolierung", bemerkt der Politologe Alexandre Dézé in der Zeitung "Le Monde ". Denn indem Le Pen gegen den Klüngel aus UMP (Union pour un mouvement populaire) und PS (Parti socialiste) wettert, den sie unter dem Kürzel UMPS zusammenfasst, verprellt sie auch mögliche Verbündete, vor allem am rechten Rand der UMP. Marine Le Pen (Foto: Laif) indes klagte: "Das Wahlrecht verhindert, dass 25 Prozent der Franzosen eine legitime Vertretung haben."

Sarkozy fischt am rechten Rand

UMP-Parteichef Nicolas Sarkozy ist der große Gewinner der Départementswahlen. 66 der 101 Départements eroberte seine Partei zusammen mit ihren Verbündeten. 27 der Gebietskörperschaften jagte sie den regierenden Sozialisten ab, die eine weitere schwere Schlappe hinnehmen mussten. Dagegen ging Sarkozys Strategie auf, mit Forderungen wie einem Kopftuchverbot an Universitäten Wähler am rechten Rand einzufangen. Der sozialistische Regierungschef Manuel Valls warf dem Ex-Präsidenten vor, dem FN "hinterherzurennen".

Valls hatte einen engagierten Wahlkampf gegen die Rechtspopulisten geführt. Dass seine Regierung selbst am schlechten Ergebnis der Sozialisten schuld ist, räumte der Premierminister am Sonntagabend aber durchaus ein. Die Wähler seien "ermüdet" von den Dauerproblemen wie der hohen Arbeitslosigkeit, den Steuern und den hohen Lebenshaltungskosten.

An seinem Kurs will Valls trotzdem nichts ändern. Bis Dezember hat er nun Zeit, um Ergebnisse zu präsentieren. Dann stehen die Regionalwahlen an - und Le Pen will vier der 13 Regionen gewinnen.