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Der falsche Adressat



Meinung:

Der falsche Adressat

Von SZ-KorrespondentStefan Vetter

Zerbrochene Scheiben, brennende Autos, Steine werfende Chaoten - die erschreckenden Bilder aus Frankfurt am Main erinnerten gestern an bürgerkriegsähnliche Szenen, die die Bundesbürger sonst nur aus dem Ausland kennen. Für die so genannte Blockupy-Bewegung ist die Europäische Zentralbank zum Hassobjekt geworden, weil sie doch für die Sparpolitik und das Elend in den südeuropäischen Ländern verantwortlich zeichne, so die Begründung. Was für ein Unsinn! Die Europäische Zentralbank flutet den alten Kontinent wie keine andere Institution mit Geld, damit die Zinsen niedrig bleiben und sich europäische Krisenländer auf diese Weise über Wasser halten können. Sie ist also definitiv der falsche Adressat von Blockupy-Protesten. Das ist ungefähr so, als würden Demonstranten vor dem Bundesarbeitsministerium ihrem Zorn gegen Lohndumping Luft machen, obwohl die zuständige Ressortchefin Andrea Nahles gerade erst den Mindestlohn eingeführt hat. Auch das würde nicht unbedingt von einer größeren Sachkenntnis der Protestierer zeugen.