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Kramp-Karrenbauer wird Generalsekretärin
Der Coup der Kanzlerin überrascht das politische Berlin

Berlin. Von Hagen Strauß

Endlich schmunzelt auch Annegret Kramp-Karrenbauer mal. Zuvor hat sie sehr ernst und sehr lang erklärt, warum sie den Job der Ministerpräsidentin aufgibt und neue CDU-Generalsekretärin werden will – weil sie beweisen möchte, dass bei Wahlen für die CDU 40 Prozent noch drin sind. Nun wird die neben ihr stehende Kanzlerin also gefragt, ob sie mit der Berufung der Saarländerin auch ein Zeichen in Sachen eigener Nachfolge setzen wolle. Merkel redet so viel darum herum, dass klar wird: Ja, das will sie.


Natürlich sagt das bei der Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus keine der beiden Damen direkt. „Ich habe mich noch nie für Prinzessinnenrollen geeignet – auch in der Fastnacht nicht“, scherzt Kramp-Karrenbauer. „Insofern mache ich mir das Etikett nicht zu Eigen.“ Das wäre politisch wie taktisch jetzt auch unklug, wenn man die neue Aufgabe noch nicht einmal angetreten hat. Gewählt werden soll sie beim Parteitag kommenden Montag. Aber jeder in der CDU-Zentrale weiß, welches Signal Angela Merkel mit ihrem Überraschungscoup aussenden will – die Rufe nach Erneuerung hat sie zwar gehört. Doch wie diese Erneuerung aussehen soll, bestimmt sie immer noch selbst. Auch personell. Kramp-Karrenbauer gehört nun klarer denn je an vorderster Stelle dazu.

Merkel wirkt aufgeräumt und entspannt wie lange nicht mehr. Und ihre Kritiker ziehen angesichts des personellen Schachzugs der Kanzlerin ziemlich kleinlaut von dannen. Jens Spahn zum Beispiel spricht lediglich von einem „guten Signal“. Er selbst war als Generalsekretär im Gespräch, er hofft immer noch auf einen Ministerposten. Auf Spahn angesprochen, sagt Merkel lapidar, was geschrieben werde, sei das eine, „was ich denke, ist das andere. Deswegen habe ich mich für Annegret Kramp-Karrenbauer entschieden“. Das kann man als Watsche für den forschen Spahn verstehen.

Dass Kramp-Karrenbauer in die Bundespolitik wechselt, ist keine Überraschung. Dass sie den Job der Generalsekretärin übernimmt, allerdings doch. Zuletzt hatte man eher erwartet, dass die 55-Jährige Bundesministerin wird. Doch im Kabinett sitzt mit Peter Altmaier bereits ein saarländischer CDU-Politiker, was die Sache kompliziert gemacht hätte. Die Kanzlerin betont, Kramp-Karrenbauer selber habe vorgeschlagen, den Job im Konrad-Adenauer-Haus zu übernehmen. Er war erst am Sonntag offiziell durch den Verzicht von Peter Tauber frei geworden – geredet hatten Merkel und Kramp-Karrenbauer darüber schon länger. „Und mich hat die Idee sehr berührt“, schiebt Merkel nach. Denn es sei alles andere als selbstverständlich, dass jemand ein Staatsamt wie das der Ministerpräsidentin für ein Parteiamt aufgebe.

Das stimmt. Beide kennen sich gut, sie mögen und schätzen sich, auch wenn Kramp-Karrenbauer als die deutlich konservativere gilt. Das wiederum kann der Kanzlerin nur nutzen. Die Saarländerin wurde auch schon als „Mini-Merkel“ oder „Merkel-Kopie“ bezeichnet. Stabile Verhältnisse brauchten „starke Volksparteien“, erklärt sie nun. Dafür wolle sie jetzt mit aller Kraft arbeiten.



In der CDU ist Kramp-Karrenbauer überaus beliebt, man hörte bisher nur Gutes über sie, auch gestern nach den Gremiensitzungen wieder. Sie sei loyal, kompetent „und hat ihren eigenen Kopf“.

Auch aus der Schwesterpartei kamen gestern positive Reaktionen: CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gratulierte Kramp-Karrenbauer zur Nominierung und lobte die Saarländerin: Sie sei „eine sehr erfolgreiche und respektierte Politikerin“, sagte er. „Wir wünschen ihr ein glückliches Händchen in schwierigen Zeiten.“

Grüne und Linke bewerteten die Personalentscheidung als Absage an einen Rechtskurs der Christdemokraten. Von Kramp-Karrenbauer gehe das Signal aus, dass die CDU ihren „Mitte-Gesellschaftskurs fortzuführen gedenkt“, sagte Grünen-Chef Robert Habeck. Linken-Chefin Katja Kipping erklärte: „Das ist eine Absage an die junge rechte Garde in der CDU.“