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| 19:36 Uhr

Das Vermächtnis der Spiele von London

London. Vier Jahre ist es her, als die ganze Welt nach London schaute. Noch heute schwärmen die Briten von den Spielen und der Stimmung, die damals herrschte. Doch wie haben sich die Pläne, nach denen das Olympia-Viertel umgestaltet werden sollte, entwickelt? Katrin Pribyl

Bereits von weitem und zu jeder Tages- und Nachtzeit sticht der Turm ins Auge. Das liegt nicht nur daran, dass er in hellem Licht erstrahlt, wenn die Sonne längst untergegangen ist. Der Orbit, der 115 Meter hohe Aussichtsturm gleich neben dem Londoner Olympia-Stadion, trägt die leuchtende Farbe rot und muss seit der Fertigstellung im Jahr 2012 scharfe Urteile über sich ergehen lassen. So fanden etwa zahlreiche Kritiker, dass die aus Stahlrohren geformte Gitterkonstruktion eher aussehe wie zwei kollidierte Kräne. Boulevardmedien tauften die spiralförmige Skulptur des Künstlers Anish Kapoor und des Ingenieurs Cecil Balmond kurz nach der Fertigstellung "Godzilla der öffentlichen Kunst". Mittlerweile haben sich die Städter mit dem Bau zwar nicht vollends angefreundet, aber doch arrangiert.

An diesem Sonntagnachmittag joggen, radeln und spazieren dutzende Menschen über das Gelände, wo vor vier Jahren das sportliche Großereignis des Jahres stattfand und heute noch immer Baukräne in den Himmel ragen. Denn die Olympischen Spiele 2012 sollten nur der Auftakt sein zu einer sehr viel umfassenderen stadtplanerischen Entwicklung des Viertels Stratford im Osten der Metropole. Damals wurden zahlreiche Versprechen von Seiten der Stadt gegeben, um das teure Projekt zu rechtfertigen. Viele sind eingelöst worden, an anderen wird noch gearbeitet. So stehen die Sportstätten im Queen Elizabeth Olympic Park den Menschen zur Verfügung. Das von der mittlerweile verstorbenen Architektin Zaha Hadid entworfene Aquatic Centre dient als öffentliches Schwimmbad, lokale Sportvereine nutzen die anderen Hallen. Im olympischen Dorf entstanden rund 3000 Wohnungen, einige werden als Sozialwohnungen vermietet, die meisten sind typisch London und damit weit oben im Luxussegment angesiedelt. Anders als etwa in Athen, wo die meisten Sportstätten zu Ruinen verfallen, ist das Projekt zur Regeneration des einst heruntergekommenen Stadtviertels im East End in vollem Gange. Viel war im Nachklapp von "legacy", dem Vermächtnis dieser Spiele, die Rede - lautstark beworben vom damaligen Bürgermeister Londons, Boris Johnson . Ein neu errichtetes Einkaufzentrum, der Park und die Sportstätten werden zwar bereits von den Anwohnern genutzt und locken Touristen an, aber es soll mehr werden.

Johnson nannte den Plan "Olympicopolis" und er umfasst, dass die Gegend neben der sportlichen Facette um neue kulturelle Angebote angereichert wird und Ausbildungsmöglichkeiten bereitstellt. So ist die Ansiedlung von Außenstellen namhafter Kultur- und Hochschuleinrichtungen geplant, etwa des Victoria & Albert-Museums, des Tanztheaters Sadler's Wells, der US-amerikanischen Smithsonian Institution. Hinzu kommen ein zweiter Universitätscampus des London College of Fashion sowie ein weiterer des University Colleges London , beide Stätten dürften tausende Studenten anlocken.

Selbst die Regierung unterstützt die derzeitige kulturelle Aufforstung des East Ends finanziell mit rund 141 Millionen Pfund (rund 167 Millionen Euro), insgesamt belaufen sich die Kosten auf etwa 850 Millionen Pfund, mehr als eine Milliarde Euro. Doch die Verantwortlichen versprechen sich von dem Projekt nicht nur die Schaffung von 3000 Jobs. Rund 1,5 Millionen zusätzliche Besucher pro Jahr sollen angelockt werden und die lokale Wirtschaft des Viertels Stratford sowie der Nachbarschaft, wo neben der kreativen Szene traditionell vor allem Menschen aus der unteren Mittel- und Arbeiterschicht und Einwanderer leben, um 2,8 Milliarden Pfund, umgerechnet 3,3 Milliarden Euro, angekurbelt werden.