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Kommentar
Das Urteil fällt der Wähler

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ist das der Anfang vom Ende? Hat der schwerste juristische Schlag, den der US-Präsident bisher einstecken musste, die Abenddämmerung des Donald Trump eingeläutet? Wenn die Erfahrung der vergangenen drei Jahre eines lehrt, dann ist es dies: Bislang ist es dem Mann noch immer gelungen, in einer Krise den Befreiungsschlag zu landen.

So oft er die Wahrheit verbog, so niederträchtig er über Kontrahenten herzog, am Ende gewann er. Der Populist Trump zehrte von der Wut der Abgehängten, er stand für die Angst all derer, die fürchteten, demnächst abgehängt zu werden. Mit seinen Tiraden symbolisierte er den Verlust des Vertrauens in die politische Klasse. In der Rolle des Rebellen konnte er sich alles erlauben. Gilt das alles noch?


Mit dem Schuldbekenntnis seines ehemaligen Anwalts Michael Cohen stellt sich die Frage, ob eine Mehrheit der Amerikaner dem Präsidenten Trump durchgehen lässt, was sie dem Kandidaten Trump verzieh. Ob sie ihm die Pose des Aufständischen im Kampf gegen Seilschaften und Verkrustungen noch immer abnimmt. Oder ob sie beginnt, Maßstäbe an ihn anzulegen, wie man sie bei Präsidenten normalerweise anlegt.

Es ist eine politische Frage, keine juristische, und beantwortet wird sie im November. Dann wird sich bei den Kongresswahlen entscheiden, ob die Demokraten die Mehrheit zurückerobern. Erst dann rückt in den Bereich des politisch Möglichen, wovon die Gegner des Präsidenten seit Langem träumen: ein Amtsenthebungsverfahren.