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Nach dem Trump-Kim-Gipfel
Das große Schulterklopfen nach dem historischen Gipfel

Washington/Pyöngjang. US-Präsident Trump rechnet mit einer maßgeblichen atomaren Abrüstung Nordkoreas bis 2020 oder 2021. Nordkorea feiert seinen Machthaber Kim.

Ganz großes Kino: Donald Trump und Kim Jong Un sind die Helden eines neuen Hollywood-Traums. Titel: „Eine Geschichte der Gelegenheit.“ Die Vorschau produzierte das Weiße Haus als offizielles Werbevideo, das der US-Präsident dem Machthaber Nordkoreas bei ihrem Gipfel in Singapur zeigte, um ihm die Augen zu öffnen: „Die Geschichte eines besonderen Zeitpunkts, an dem jemandem eine einmalige Chance geboten wird, die niemals wiederkommen könnte“, sagt der Sprecher in dem Video, dramatisch zu Bildern von Kim. „Wofür wird er sich entscheiden?“


Geht er zurück – zu Raketen und Kampfjets? Oder vorwärts in eine Zukunft, in der in Nordkorea die Lichter angehen, Investitionen fließen und „blühende Landschaften“ entstehen. Kim könne sein abgeschottetes Land voranbringen, Teil der Welt werden, zum „Helden für sein Volk“ werden, verspricht der Film. Obwohl der jüngste Spross der Kim-Dynastie das längst ist. „Ich glaube, er hat es gemocht“, sagte Trump stolz noch vor dem Rückflug von Singapur nach Washington.

Am Tag nach dem Gipfel feierten die Regierungen der beiden Hauptdarsteller, die sich bis vor kurzem noch als „seniler Greis“ und „Rocket-Man“ beschimpften, ihre politische Leistung für den Frieden in der Welt. Noch auf der Rückreise begann Trump, seine Botschaft von Größe und Einmaligkeit dieses Treffens unters Volk zu bringen. Die nukleare Gefahr Nordkorea, gebannt. Einfach so. „Jeder kann sich nun sicherer fühlen als am Tag meines Amtsantritts“, schrieb Trump nach seiner Rückkehr. Nordkorea sei nicht mehr länger das größte und gefährlichste Problem der USA. Das Land habe großes Potenzial.

Beide Seiten wollen nun die Gespräche fortführen, bis hin zu gegenseitigen Besuchen. Und auch international kommt Bewegung in das Gipfel-Thema, Frieden und nukleare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel. Russland rief gestern zu Mehr-Parteien-Gesprächen auf. „Es ist klar, dass diese Probleme in einem bilateralen Format nicht vollständig lösbar sind“, sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Der Chefdiplomat verwies auf das traditionelle Sechs-Parteien-Format aus Russland, China, den USA, Japan und den beiden Koreas, das seit Jahren auf Eis liegt.

Und Kim? Wie geht es weiter mit seinem Land? US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Mittwoch in Seoul vor Journalisten, dass die USA von einer maßgeblichen atomaren Abrüstung Nordkoreas bis zum Jahr 2020 oder 2021 ausgehen. Derweil bezieht US-Präsident Trump kräftig Prügel dafür, Kim keine weiteren konkreten Abrüstungsschritte abgerungen zu haben.



Trump vollzieht eine Kehrtwende, Kim zu umarmen, statt ihn weiter zu konfrontieren. Dass die USA im Gegenzug ihre gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea einstellen wollen, werten Kommentatoren als enorme Konzession gegenüber dem Machthaber in Pjöngjang. In Japan stieß die Ankündigung umgehend auf Kritik. Die US-Truppenpräsenz in Südkorea bedeute eine wichtige Säule der Sicherheit in Ostasien, hieß es aus Tokio. In China stieß der Schritt dagegen auf Wohlwollen.

Und die Stimmung in Pjöngjang? Die Staatsmedien verkündeten einen großen Sieg für den Machthaber Kim. Von ihm wird angenommen, sein Land wirklich modernisieren und die Lebensbedingungen der Menschen verbessern zu wollen – allein schon, um seine Stellung zu festigen. Dabei ist er allerdings auf das Ende der internationalen Isolation angewiesen.

„Die Vergangenheit muss nicht die Zukunft sein“, orakelt der Werbefilm über Kim und Trump: „Zwei Männer, zwei Führer, ein Schicksal.“ Der krasse Kontrast zwischen Bildern von technischen Einrichtungen und leeren Lebenmittelregalen, militärischen Aktionen und lachenden Kindern soll Nordkorea eine Wahl suggerieren: Ihr bleibt isoliert und rückständig, oder entscheidet euch dafür, normales Mitglied der Weltgemeinschaft zu sein und Wachstum zu erzeugen. Das Ende des Films ist offen.