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Das große Geschäft mit dem Elektroschrott

Berlin. Das Kabinett bringt ein neues Elektroschrott-Gesetz auf den Weg. Die in Handys und Fernsehern schlummernden Rohstoffe sollen nicht mehr im Hausmüll verloren gehen. Die Bürger können bestimmte Geräte bald kostenlos ohne Rechnung im Online- und Großhandel zurückgeben. Dpa-Mitarbeiter Georg Ismar

Ein altes Mobiltelefon in der Schublade, ein ausrangierter Fernseher im Keller. In deutschen Haushalten schlummern Schätze, auf die die Recyclingbranche scharf ist. Bisher landen sie aber oft in der Mülltonne. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD ) will das nun mit einer Reform des Elektrogesetzes ändern. Und dafür sorgen, dass weniger Elek troschrott illegal nach Afrika exportiert wird.

Damit künftig mehr wertvolle Metalle aus Altgeräten wiederverwertet werden können, will das Bundeskabinett am Mittwoch eine entsprechende Novelle beschließen, die den Handel zur Rücknahme verpflichtet und nicht mehr auf freiwillige Vereinbarungen der Hersteller setzt.

Gelten sollen die Regeln spätestens Ende des Jahres. Das Ziel: mehr alte Telefone, Staubsauger, Fernseher oder Computer einsammeln und fachgerecht verwerten. Zudem werden die Entsorger, die die Altgeräte bekommen, verpflichtet, enthaltene Schadstoffe sicher zu entfernen.

Wer ein Geschäft mit mehr als 400 Quadratmetern Fläche betreibt, muss künftig alte Elek trogeräte beim Neukauf eines gleichwertigen Geräts zurücknehmen. Auch Online-Händler werden dazu verpflichtet. Um die Auflage zu erfüllen, können sie mit anderen Geschäften vor Ort zusammenarbeiten, die sich um die Annahme der Altgeräte für sie kümmern oder mit Versanddienstleistern Rücksendeoptionen anbieten.

2012 fielen in Deutschland laut Schätzungen der Initiative Step, die sich gegen Elektromüll stark macht, pro Jahr und Kopf etwa 23 Kilo Elektroschrott an. Für die 69 Müllverbrennungsanlagen wird durch das Erfolgsmodell Kreislaufwirtschaft langsam der Stoff knapp. Denn vom welken Salat über die Plastikflasche bis zur Festplatte wird versucht, alles einzusammeln. Der Kampf zwischen kommunalen und privaten Entsorgern um die Zugriffsrechte auf die Abfälle zeigt, dass es Müll an sich nicht mehr gibt. Er ist zum Rohstoff geworden. Und in Deutschland ein Milliardengeschäft. Grünen-Chefin Simone Peter kritisiert aber, dass nur größere Händler Geräte annehmen müssen. "So ist zu befürchten, dass weiter zu viele Elektrogeräte im Hausmüll landen." Und Umweltschützer monieren, dass zu wenig dafür getan werde, dass Geräte länger halten. Die Regierung ebne dem Wegwerfen den Weg.

Die Post bietet bereits seit 2012 ein kostenloses Rücksenden alter Handys, Computerbauteile, leerer Druckerpatronen und kleineren Elektroschrotts an. Die Einnahmen durch die Verwertung decken die Kosten, wie eine Sprecherin sagt. Knapp 32 000 Sendungen mit rund 98 000 ausgedienten Geräten seien seit 2012 eingegangen, darunter 26 500 Mobiltelefone . Das Unternehmen mit 2,6 Milliarden Euro Umsatz gilt als findiger Vorreiter bei der Abfall-Verwertung. Bereits seit Jahresbeginn gilt bundesweit eine Getrennt-Sammelpflicht auch für Bioabfall. Als nächstes will Umweltministerin Barbara Hendricks ein schon lange geplantes Vorhaben doch noch umsetzen: eine bundesweite Wertstofftonne. In Städten wie Berlin werden aber längst schon über eine erweiterte Gelbe Tonne Wertstoffe mitgesammelt, zum Beispiel alte Pfannen.

Mit einer flächendeckend aufgestellten Tonne ließe sich im Jahr die Sammelmenge pro Einwohner um sieben Kilo erhöhen und die Menge recycelter Wertstoffe um fünf Kilo steigern.