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Familien
Das Elterngeld Plus schreibt eine Erfolgsgeschichte

Auch im Saarland wird das Elterngeld Plus von einem Viertel der anspruchsberechtigten Eltern genutzt.
Auch im Saarland wird das Elterngeld Plus von einem Viertel der anspruchsberechtigten Eltern genutzt. FOTO: Andreas Gebert / dpa
Berlin/Saarbrücken. Immer mehr Mütter und Väter in Teilzeit-Arbeit beziehen die Leistung, die vor zwei Jahren eingeführt wurde. Die Familienministerin ist hoch zufrieden. Von Stefan Vetter und Frauke Scholl

Das neue Elterngeld Plus hat sich nach Einschätzung der amtierenden Bundesregierung bewährt. Wie aus einem gestern vom Kabinett verabschiedeten Sachstandsbericht hervorgeht, wird diese familienpolitische Leistung von gut einem Viertel der anspruchsberechtigten Eltern genutzt – auch im Saarland. Hier die wichtigsten Details:



Worauf zielt das Elterngeld Plus?

Im Kern geht es um die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Elterngeld Plus soll insbesondere Frauen helfen, nach dem Mutterschutz rasch wieder im Job Fuß zu fassen. Speziell wird damit die Aufnahme einer Teilzeittätigkeit wirtschaftlich besser abgesichert und die gegenseitige Entlastung von Müttern und Vätern unterstützt.

Wie funktioniert die Leistung?



Eltern können zwischen zwei Angeboten wählen: dem klassischen Elterngeld (Basiselterngeld), das grundsätzlich auf eine Zeit von bis zu zwölf Monaten nach der Geburt des Kindes begrenzt ist, und dem Elterngeld Plus, das in der Regel bis zu 24 Monate lang gezahlt wird. Wenn beide Partner in Teilzeit arbeiten, also zwischen 25 und 30 Wochenstunden, und sich die Betreuung des Kindes teilen, kann das Elterngeld Plus für weitere vier Monate in Anspruch genommen werden (Partnerschaftsbonus). Die Höhe der Unterstützung wird anhand des individuellen Nettoeinkommens berechnet und beträgt mindestens 150 Euro, höchstens 900 Euro im Monat. Das ist zwar nur die Hälfte des monatlich ausbezahlten Basiselterngeldes. Dafür wird das Elterngeld Plus aber auch doppelt so lange gewährt.

Wie wird das Angebot genutzt?

Seit Einführung des Elterngeldes Plus Mitte 2015 hat sich die Inanspruchnahme mehr als verdoppelt. 28 Prozent der anspruchsberechtigten Eltern haben die Leistung im dritten Quartal 2017 bezogen. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2015, als die Leistung eingeführt wurde, waren es nur 13,8 Prozent. Mehr als jeder vierte Vater (27 Prozent) mit Elterngeld Plus entscheidet sich mittlerweile auch zugleich für den Partnerschaftsbonus.

Wie ist die Nutzung im Saarland?

Noch etwas besser als im Bundesschnitt. Im dritten Quartal 2017 bezogen 28,5 Prozent der bezugsberechtigten Eltern im Saarland das Elterngeld Plus (Bund: 28 Prozent). Konkret waren es 3048 Empfänger, davon 158 Väter und 2890 Mütter. Im Vergleichsquartal 2015 waren es im Saarland noch 13,3 Prozent Empfänger. Damit hat sich das Interesse an der Leistung auch hierzulande mehr als verdoppelt. Spitzenreiter beim Elterngeld Plus waren 2017 im Ländervergleich Eltern in Thüringen (38,5 Prozent), Schlusslicht war Hamburg (19,6).

Warum nutzen Eltern die Leistung?

Nach einer vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Umfrage nutzen zwei Drittel der Eltern die Leistung deshalb, um mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen zu können. Für 67 Prozent der Väter spielt eine große Rolle, dass sie einen höheren Anteil an der Kinderbetreuung übernehmen können, als wenn es nur Basiselterngeld gäbe. 55 Prozent der Nutzer sagen aber, dass sie den Partnerschaftsbonus wegen Einkommensverlusten nicht hinzunehmen. 27 Prozent verzichten darauf wegen befürchteter Nachteile im Beruf.

Wie sind die politischen Reaktionen?

Familienministerin Katarina Barley (SPD) sprach von einer „Erfolgsgeschichte“. Die neue Familienleistung komme gut an und wirke. Frauen würden wieder stärker in den Beruf einsteigen können, und Väter widmeten ihrem Kind mehr Zeit, sagte Barley. Auch aus der Frauen Union der CDU kam Lob: Mit dem Elterngeld Plus seien die „richtigen Anreize“ für mehr Partnerschaftlichkeit gesetzt worden. Dagegen kritisierte die Familienexpertin der Linken, Katrin Werner, dass auch diese Leistung mit dem Hartz-IV-Bezug verrechnet werde und damit kein geeignetes Instrument sei, „um Kinder- und Familienarmut zu bekämpfen“. Daher müsse die Anrechnung abgeschafft werden.