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CDU-Parteitag
(An)Spannung vor dem Tag der Entscheidung

Gestern liefen in der Hamburger Messehalle noch die letzten Vorbereitungen, heute wählen die 1001 CDU-Delegierten einen neuen Vorsitzenden.
Gestern liefen in der Hamburger Messehalle noch die letzten Vorbereitungen, heute wählen die 1001 CDU-Delegierten einen neuen Vorsitzenden. FOTO: dpa / Christian Charisius
Hamburg. Kramp-Karrenbauer oder Merz? In der CDU steigt vor dem historischen Parteitag in Hamburg die Nervosität. Gelöst wirkt dagegen die Noch-Chefin. Von Jörg Blank und Ruppert Mayr, dpa

Angela Merkel lächelt und scherzt, als sie die Kulisse für den Kampf um ihr Erbe begutachtet. Wenn es der Kanzlerin etwas mulmig zu Mute sein sollte, kann sie es gut verbergen. Routiniert absolviert die 64-Jährige den Rundgang durch jene Hamburger Messehalle, in der sie an diesem Freitag nach 18 Jahren an der Parteispitze ihre Abschiedsrede halten wird. Und wo sich anschließend die Kandidaten für ihre Nachfolge den 1001 Delegierten präsentieren wollen.


Nach allem, was aus der Partei zu hören ist, wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz – Stichwahl wahrscheinlich. Der dritte prominente Kandidat, Gesundheitsminister Jens Spahn, gilt als chancenlos.

Direkt vor dem Parteitag hat sich die Auseinandersetzung zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer spürbar verschärft. Nachdem auch noch der eigentlich als CDU-Grandseigneur geschätzte Wolfgang Schäuble eine direkte Wahlempfehlung für Merz abgegeben hat, sind Dämme gebrochen, wie Peter Altmaier es formuliert. Der als Merkel-Unterstützer bekannte Wirtschaftsminister outet sich gestern als „AKK“-Fan. Beide sind Saarländer.



Wer sich in den Lagern umhört, kann ähnliche Einschätzungen hören: Ganz knapp werde es, Ausgang offen. Vor allem die Tagesform der Kontrahenten werde wohl entscheiden. Ganz wichtig werde sein, welchem Kandidaten es gelinge, den Delegierten eher den Eindruck zu geben, er könne die Gräben zwischen Gewinner und Verlierer nach dem Parteitag am besten wieder zuschütten. Realisten unter den Delegierten halten eine Vertiefung des Risses fast für unausweichlich – zwischen jenen, die sich einen kompletten Neustart mit Merz wünschen und anderen, die sich von „AKK“ zwar Erneuerung und mehr Offenheit für Debatten, aber keine völlige Abkehr von der Ära Merkel wünschen. Es werde darauf ankommen, ob es Kramp-Karrenbauer gelinge, Brücken zu bauen – selbst wenn ein Teil der Merz-Anhänger dann nicht darüber gehen wolle, heißt es bei ihren Unterstützern.

Aus dem Merz-Lager ist indes eine eindeutig Ansage zu hören: „Wir brauchen keine Mediation, sondern jemanden, der klar führt. Die Menschen wollen jemanden haben, der klar weiß, wo es hingeht.“ Gehe Merz als Verlierer aus dem Parteitag hervor, werde es viele wohl nicht mehr in der Partei halten.

Angela Merkel sagt bei ihrem Rundgang in Hamburg, sie sei sehr dankbar für die zurückliegenden 18 Jahre als CDU-Chefin. „Das ist eine lange, lange Zeit“. Natürlich habe die Partei in dieser Zeit Höhen und Tiefen erlebt. Schnell schiebt sie aber hinterher, die CDU habe die Bundestagswahlen „viermal so gestalten können, dass wir die Bundeskanzlerin stellen“. Unter ihrer Führung, soll das wohl heißen.

Wer möchte, kann in diesen Worten Merkels eine versteckte Botschaft auch an die Delegierten hören: Den Appell, dass es trotz allen Ärgers über ihren Kurs doch nicht nötig sei, radikal mit den vergangenen Jahren zu brechen. Wenn man so will, könnte das auch eine versteckte Unterstützung für Kramp-Karrenbauer sein. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Merkel sich ihre Generalsekretärin als Nachfolgerin wünscht – und nicht Merz. Natürlich wird sich die Vorsitzende nicht öffentlich für ihre Wunschkandidatin aussprechen – ganz anders, als es ihr alter Widersacher, Parlamentspräsident Schäuble, direkt vor dem Parteitag für Merz tut.

Auf die Frage, ob die Vorsitzendenentscheidung das Potenzial zu einer noch tieferen Spaltung zwischen Merkel-Anhängern und dem sehr konservativen Lager habe, antwortet die Kanzlerin auf die ihr eigene Art: „Das ist Demokratie pur, wenn Auswahl besteht. Und den Rest werden die Delegierten entscheiden.“