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| 21:13 Uhr

Importstopp
China stinkt der Müll aus dem Westen

ARCHIV - Plastikmüll in einer Sammel- und Sortieranlage im Bezirk Shijingshan in Peking (China, Archvfoto vom 09.12.2016). Lange haben Staaten weltweit ihren Abfall und Schrott nach China verschifft. Doch damit ist jetzt Schluss. Pekings Importstopp für Plastik und andere Müllsorten hat auch für Deutschland Konsequenzen. (zu dpa "China hat genug (vom) Plastikmüll" vom 08.01.2018) Foto: Rolex De La Pena/EPA/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Plastikmüll in einer Sammel- und Sortieranlage im Bezirk Shijingshan in Peking (China, Archvfoto vom 09.12.2016). Lange haben Staaten weltweit ihren Abfall und Schrott nach China verschifft. Doch damit ist jetzt Schluss. Pekings Importstopp für Plastik und andere Müllsorten hat auch für Deutschland Konsequenzen. (zu dpa "China hat genug (vom) Plastikmüll" vom 08.01.2018) Foto: Rolex De La Pena/EPA/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Rolex De La Pena / dpa
Peking/Berlin. Das Reich der Mitte importiert seit 1. Januar keine Abfälle mehr aus den Industrienationen. Die Entscheidung hat auch für Deutschland Konsequenzen.

China leidet unter gefährlichem Smog, verseuchten Böden und verdreckten Flüssen. Und trotzdem haben Umweltschützer in diesen Tagen viel Lob für die Volksrepublik übrig. Peking hat eine auch für Deutschland folgenschwere Entscheidung umgesetzt: Müll aus dem Ausland muss ab jetzt draußen bleiben. Plastikabfälle und mehr als 20 andere Recycling-Materialen dürfen seit dem 1. Januar nicht mehr eingeführt werden. Von einem „Weckruf“ spricht die Umweltorganisation Greenpeace. Denn die für westliche Staaten bequemen Zeiten, in denen riesige Frachter Kurs auf das Reich der Mitte nahmen, um dort den Müll abzuladen, sind damit vorbei. Lange sahen beide Seiten Vorteile: Der Westen wurde seinen Abfall los, Firmen in China ließen den Müll nach verwertbaren Stoffen durchwühlen und machten Profite. Ganze Regionen verdienten ihren Lebensunterhalt damit, die Abfallberge zu sortieren. Nun aber will der Abfall-Importweltmeister die Umwelt besser schützen. Der Müll sei zu gefährlich, sagt Peking.

Tatsächlich dürfte Chinas Kehrtwende noch einen anderen Grund haben. 2016 hat die Volksrepublik rund 7,3 Millionen Tonnen Plastikmüll im Wert von 3,7 Milliarden Dollar eingeführt – mehr als die Hälfte der weltweiten Importe. Doch auch selbst produziert das Land immer mehr Unrat. Rund 200 Millionen Tonnen Hausmüll waren es 2017. In Deutschland wird durch die Entscheidung einiges in Bewegung kommen. 560 000 Tonnen Plastikabfälle pro Jahr hat die Bundesrepublik bisher laut Umweltbundesamt (UBA) nach China exportiert – das waren immerhin 9,5 Prozent des Plastikmülls.

„Wir werden schon in Schwierigkeiten kommen, aber das sieht nicht so aus, dass der Privatmann auf seinem Müll sitzen bleibt“, sagt Jörg Lacher vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). Bis vor Kurzem hätten Recycling-Unternehmen ihr Material noch ankaufen müssen. Inzwischen bekämen sie teilweise schon Geld dafür, es Sortieranlagen abzunehmen. „Dieser Trend wird sich klar verstärken.“

Dass ein Preisdruck entstehen könne, bestätigt auch ein Sprecher des Grünen Punkts. Ob Verbraucher den zu spüren bekämen, sei eine andere Frage – für einen Joghurtbecher etwa lägen die Entsorgungskosten deutlich unter einem Cent. Die vielen zusätzlichen Tonnen Plastik einfach zu verbrennen, ist jedenfalls keine Lösung. Erstens zählten die China-Exporte teils als Recycling, weil es dort zertifizierte Recycling-Anlagen gibt. „Deutsche Recycling-Erfolge wurden jahrelang mit dem Export minderwertiger Mischkunststoffe nach China schön gerechnet“, heißt es beim Verband Kommunaler Unternehmen. Zudem seien Verbrennungsanlagen gut ausgelastet, wie eine Sprecherin erklärt: „Die Systembetreiber müssen viel mehr Anlagen für das Recycling in Deutschland aufbauen.“ Darauf setzen nun auch Umweltschützer. „Die Verschlechterung der Exportbedingungen nach China ist aus Umweltsicht positiv – denn damit entstehen Anreize, in Deutschland die Kunststoffabfälle besser zu sortieren“, sagt Evelyn Hagenah vom Umweltbundesamt. „Wenn die Nachfrage zum Beispiel nach Müllverbrennung steigt, kann das die Kosten treiben – und damit Recycling konkurrenzfähiger machen.“

Das neue Verpackungsgesetz, das 2019 in Kraft tritt, schraubt die Recyclingquoten nach oben. Umweltverbände mahnen, dass Verpackungen besser wiederverwertbar werden müssen.

Lange lud die Welt ihren Abfall in China ab. Der landete auf Recycling-Höfen wie hier in Shenyang. Doch damit ist jetzt Schluss.
Lange lud die Welt ihren Abfall in China ab. Der landete auf Recycling-Höfen wie hier in Shenyang. Doch damit ist jetzt Schluss. FOTO: Mark / dpa