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BVB-Attentäter handelte aus purer Geldgier

Karlsruhe/Berlin. Nach der Festnahme eines 28-jährigen Deutsch-Russen herrscht Entsetzen über das „grauenhafte“ Motiv für den Angriff auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund. afp/dpa

Offensichtlich aus reiner Habgier hat ein 28-jähriger Mann vergangene Woche den Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt. Der "dringend tatverdächtige" Deutsch-Russe wurde gestern von der Spezialeinheit GSG9 im Raum Tübingen festgenommen, am Abend erging Haftbefehl gegen ihn, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Er soll in einem Aktiengeschäft auf einen Kursrutsch der BVB-Papiere gesetzt haben, zu dem es durch die Tat hätte kommen können. Bei der Explosion wurde der BVB-Abwehrspieler Marc Bartra verletzt, ein Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma.



Nach tagelangen Spekulationen über mögliche extremistische Hintergründe des Anschlags unmittelbar vor dem Champions-League-Spiel der Dortmunder gegen Monaco hat der Fall damit eine völlig unerwartete Wende genommen. Der festgenommene Sergej W. nahm laut Bundesanwaltschaft vor der Tat Kredite über mehrere zehntausend Euro auf und spekulierte damit zumindest zum Teil auf fallende Kurse der Aktien des einzigen deutschen Bundesligavereins an der Börse. Wie viel Geld er maximal hätte gewinnen können, ist noch nicht klar. Sicher ist aber: Je tiefer die Aktie gefallen wäre, desto höher wäre der Gewinn ausgefallen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich schockiert über das wahrscheinliche Motiv des Verdächtigen. Wenn der Vorwurf zutreffe, sei dies eine "besonders widerwärtige Form von Habgier". Justizminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete es als "einfach grauenhaft", wenn der Beschuldigte tatsächlich aus "bloßer Geldgier" gehandelt haben sollte. "Wir sind es insbesondere der gesamten Mannschaft von Borussia Dortmund schuldig, diese Tat und ihre Hintergründe umfassend aufzuklären", betonte Maas.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zeigte sich ebenfalls befremdet über das Tatmotiv. "Dass man offensichtlich versucht hat, durch den Anschlag Kurs-Gewinne zu realisieren - das ist natürlich Wahnsinn", erklärte er. Der Verein werde die Sicherheitsvorkehrungen nochmals "dramatisch nach oben schrauben", kündigte Watzke an, der bereits mit früheren GSG9- und BKA-Spezialisten in Kontakt steht: "Die Entwicklungen zwingen uns offenbar dazu, Sicherheitsmaßnahmen in ganz neuem Stil zu ergreifen." Die Situation als einziger börsennotierter Fußballklub habe Dortmund vielleicht zu einem besonderen Ziel gemacht, sagte Watzke. Man werde nun auch prüfen, ob Restriktionen im Bereich des Handels der Aktien nötig sind.

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