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Buntes Rio: Gesichter der Olympia-Stadt

Fotos: DPA (9), Fotolia
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Jetzt muss es Rio retten. Belastet von sportpolitischen Skandalen und Brasiliens tiefer Krise sind die ersten Olympischen Spiele in Südamerika für die Gastgeber einmalige Chance und tonnenschwere Bürde zugleich. Mit ansteckender Partylust und Improvisationskunst soll die Millionen-Metropole am Zuckerhut der problembeladenen Heimat und dem schwer kritisierten Internationalen Olympischen Komitee ein farbenfrohes Sommer-Spektakel liefern. Auch IOC-Chef Thomas Bach setzt inmitten des Desasters um Staatsdoping in Russland voll auf "große Olympische Spiele à la Brasilien, voller Leidenschaft und Lebensfreude". dpa-Mitarbeiter Christian Hollmann

Bach braucht bei seinen ersten Sommerspielen im Präsidenten-Amt Ablenkung und schöne Bilder dringend - als Wirkstoff gegen die Zweifel an seinem olympischen Betrieb, als frisches Argument für das Milliardengeschäft unter den fünf Ringen. Die Nachwirkungen der russischen Doping-Affäre werden sich indes in die Spiele hineinziehen, nachdem das IOC gegen die Empfehlung der Welt-Anti-Doping-Agentur einen kompletten Ausschluss der Sportler aus dem Putin-Reich verwarf.


Trotzig aber versicherte Interimspräsident Michel Temer: "Rio de Janeiro wird der Welt mit unseren Spielen alles zeigen, wozu es in der Lage ist." Rund 39,1 Milliarden Reais, umgerechnet rund 10,7 Milliarden Euro lässt sich Brasilien seine olympische Premiere kosten. Mehr als die Hälfte davon soll privat finanziert sein. Das teuerste Projekt, die in letzter Minute eröffnete U-Bahn-Linie zum Olympia-Park, stand dabei sinnbildlich für die enormen Herausforderungen für die Rio-Macher. Beim Einzug der ersten Athleten ins olympische Dorf kam es zu peinlichen Pannen, als Toiletten verstopft, Wasserleitungen defekt und Wohnungen verschmutzt waren. Die deutsche Mannschaft behob die Mängel gleich mit eigenen Handwerkern. Alles andere als gelöst sind dagegen die massiven Umweltprobleme in der Guanabara-Bucht durch ungeklärte Abwässer und im Wasser treibenden Müll.

Angesichts solcher Nachrichten zweifelte kurz vor der Entzündung des olympischen Feuers knapp ein Drittel (31 Prozent) der Deutschen daran, dass Rio ein guter Olympia-Gastgeber sein wird, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Doch lassen sich die Cariocas ihre Vorfreude auf die Tage von Olympia nicht nehmen. Diese faszinierende Stadt mit den traumhaften Stränden der Copacabana und dem ikonischen Cristo Redentor auf dem Corcovado bietet schließlich den perfekten Postkarten-Hintergrund für das Treffen von weit mehr als 10 000 Athleten aus aller Welt. Dabei sein werden auch zehn Flüchtlinge, für die das IOC erstmals ein eigenes Team gegründet hat.

306 Entscheidungen fallen in den 16 Wettkampftagen, so viele wie nie zuvor. Mehr als 300 Stunden live senden ARD und ZDF von Olympia - ein Rekord in der deutschen TV-Geschichte.