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| 20:42 Uhr

Gipfel für die Umwelt – gegen Trump
Bunte Allianz für den Klimaschutz

Auch Marokkos König Mohammed VI (r.) war da: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (l.) hat ihn und viele weitere Staatschefs zum Klimagipfel nach Paris eingeladen.
Auch Marokkos König Mohammed VI (r.) war da: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (l.) hat ihn und viele weitere Staatschefs zum Klimagipfel nach Paris eingeladen. FOTO: Francois Mori / dpa
Paris. Beim Pariser Klimagipfel kamen gestern Wirtschaftsvertreter und staatliche Akteure erstmals an einen Tisch. Es war ein klarer Wink an Donald Trump.

Es war eine ungewöhnliche Mischung von Menschen, die gestern Nachmittag in Paris vor dem futuristischen Kulturzentrum La Seine Musicale an Land ging. Prinz Albert von Monaco, Arnold Schwarzenegger, Sean Penn, Bill Gates, Theresa May und Alexis Tsipras waren mit dem Schiff Mirage in den Westen der Millionen-Metropole gekommen, um sich einer gemeinsamen Sache zu widmen: dem Kampf gegen den Klimawandel.

Geladen hatte der französische Präsident Emmanuel Macron, der nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen die Rolle des obersten Klimaretters übernommen hatte. Sein Satz „Make Our Planet Great Again“ war die Antwort auf Trumps Kampfansage gewesen, Pittsburgh künftig den Vorzug vor Paris zu geben. Ein halbes Jahr später zeigte Macrons One Planet Summit, dass Klimaschutz auch ohne den US-Präsidenten möglich ist.

Medienwirksam inszenierte „Monsieur Climat“ das Großereignis, das vor allem die Wirtschaft stärker am Kampf gegen den Klimawandel beteiligen sollte. „Wir sind dabei, die Schlacht zu verlieren“, warnte Macron in seiner Eröffnungsrede. Die Erderwärmung steuere inzwischen auf über drei Grad zu.

Bei der Pariser Klimakonferenz hatten sich mehr als 190 Staaten darauf verpflichtet, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. „Einige, die hier sitzen, werden in einigen Jahren nicht mehr da sein“, ergänzte Macron. Das gilt vor allem für Länder wie die Fidschi-Inseln, die überflutet zu werden drohen.

Neben den Vertretern aus 127 Ländern waren auch prominente nicht-staatliche Akteure wie der ehemalige New Yorker Bürgermeister Mike Bloomberg gekommen. Der UN-Sondergesandte für Städte und Klimawandel ist Trump schon fast dankbar, dass er den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen angekündigt hat.

Dadurch habe der US-Präsident das Engagement von Bundesstaaten wie Kalifornien und Städten gestärkt. „Es gibt nichts, was Washington tun kann, um uns zu stoppen.“ Der engagierte Klimaschützer ist fest davon überzeugt, dass der Klimawandel ein Thema ist, das immer mehr Bedeutung bekommt. „Schauen Sie sich die Nachrichten an: Überall ist von Bränden, Hurrikanen und Waldschäden die Rede. Die Leute sagen: Das betrifft meine Familie und ich will, dass etwas getan wird.“

Genau deshalb gehört der Klimaschutz bei großen Unternehmen inzwischen zur Geschäftspolitik. Mehr als 200 führende Firmen wollen künftig die Risiken, denen sie durch den Klimawandel ausgesetzt sind, in ihren Finanzberichten ausweisen.

„Diejenigen, die nicht auf eine grüne Wirtschaft setzen, werden in einer grauen Zukunft leben“, warnte UN-Generalsekretär Antonio Guterres. „Die privaten Mittel müssen noch bedeutsamer werden“, forderte auch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die anstelle von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Paris gekommen war.

Musterschüler der Pariser Konferenz war der französische Versicherungskonzern AXA. Das weltgrößte Versicherungsunternehmen will bis 2020 zwölf Milliarden Euro in klimafreundliche Projekte investieren – ein Vierfaches der bisher geplanten Zahl. Gleichzeitig will der Konzern keine neuen Kohleminen mehr versichern. AXA setzt damit Konkurrenten wie Allianz unter Druck, es ihm nachzutun. „Zugzwang zu erzeugen ist einer der Effekte dieses Gipfels“, sagt Lutz Weischer, Teamleiter Internationale Klimapolitik von Germanwatch, der als Beobachter nach Paris gekommen war.

Wo die Unternehmen in Vorleistung gingen, konnten die staatlichen Vertreter nicht untätig bleiben. Neun EU-Länder, darunter Deutschland, bekannten sich zur Einführung eines wirksamen CO2-Preises. Auch die Stiftungen gingen Verpflichtungen ein. So will die Gates-Stiftung der Landwirtschaft mit 650 Millionen Dollar helfen, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen.

Die Liste der Maßnahmen soll die Kritik derer entschärfen, die das Treffen nur als Schaufensterveranstaltung sahen. „Es wäre verkürzt, von einer Show zu sprechen“, bemerkt Sven Harmeling von Care Deutschland. „Wir brauchen solche Events, um Akteure zusammenzubringen und neue Engagements anzustoßen.“ Kritisch sieht er dagegen die Rolle Deutschlands in der Klimapolitik. „Deutschland muss aufpassen, dass es den Anschluss nicht verliert.“

Hendricks erwartet nach der Regierungsbildung neue Impulse. „Ich bin zuversichtlich , dass die nächste Bundesregierung Schritte nach vorne machen wird.“

Zur Führungsrolle Frankreichs befragt, antwortete sie: „Wenn 75 Prozent des Stroms aus Atomenergie kommen, ist es leichter, aus der Kohle auszusteigen.“