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Bundeskanzler Adenauers Hymnen-Handstreich

Berlin. Konrad Adenauer grollt. "Heidewitzka, Herr Kapitän", tönt es ihm bei einem Besuch in Chicago entgegen. Eine Verlegenheitslösung der US-Gastgeber, Westdeutschland hat nunmal nach dem Krieg noch keine offizielle Hymne

Berlin. Konrad Adenauer grollt. "Heidewitzka, Herr Kapitän", tönt es ihm bei einem Besuch in Chicago entgegen. Eine Verlegenheitslösung der US-Gastgeber, Westdeutschland hat nunmal nach dem Krieg noch keine offizielle Hymne. Den Bundeskanzler nervt es gehörig, bei offiziellen Empfängen Schunkelschlager und Verballhornungen wie "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien" - eine Anspielung auf die drei Zonen der Westmächte - zu hören. Im April 1950 reicht es ihm, im Berliner Titania-Palast fordert er das Publikum nach einer Rede auf, mit ihm die dritte Strophe des Deutschlandliedes zu singen. "Einigkeit und Recht und Freiheit" ertönt - zur Melodie von Joseph Haydns "Kaiserhymne". Die SPD wettert gegen Adenauers "Handstreich", der der jungen Bundesrepublik wenig später eine Nationalhymne beschert. Nach Angaben des Historikers Theo Schwarzmüller war es der CDU-Politiker Albert Finck - einer der Väter des Grundgesetzes -, der die Initiative ergriffen und Adenauer zum Vorschlag mit der dritten Strophe des Deutschlandlieds inspiriert hatte. Dritte Strophe wird offiziell1952 gibt Bundespräsident Theodor Heuss nach langem Zögern nach, die dritte Strophe wird nun auch offiziell akzeptiert, wenngleich das bis heute - anders als die Bundesflagge (Artikel 22/Grundgesetz) - nicht im Grundgesetz verankert ist. Im entsprechenden Briefwechsel mit dem Kanzler kommt eine gewisse Resignation Heuss' gegenüber dem Beharrungswillen des alten Rheinländers Adenauer zum Ausdruck. Wenn er der Bitte der Regierung nachgebe, obwohl er angesichts des tiefen Einschnitts in unsere Staatsgeschichte eine neue Symbolgebung für notwendig erachte, so geschehe dies nur "in Anerkennung dieses Tatbestandes", so Heuss. Er verbindet die Erklärung des Deutschlandsliedes zur deutschen Nationalhymne mit der Bitte, bei staatlichen Anlässen nur die dritte Strophe zu singen. Denn die erste Strophe war verpönt: Die Nazis hatten 1933 das 1922 vom ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Friedrich Ebert, (SPD), zur Nationalhymne erklärte Deutschlandlied übernommen. Von 1934 an wurde aber auf Befehl des "Führers" nur noch die erste Strophe "Deutschland, Deutschland über alles" gesungen. dpa