| 21:23 Uhr

Brüderle schweigt weiter zu Vorwürfen

Mit keinem Wort erwähnte Rainer Brüderle die Sexismus-Affäre beim Neujahrsempfang. Foto: dpa
Mit keinem Wort erwähnte Rainer Brüderle die Sexismus-Affäre beim Neujahrsempfang. Foto: dpa
Düsseldorf. "Die FDP darf nicht verlernen, sich freuen zu können!" Wer am Sonntag glaubte, dieser Einleitungssatz von Rainer Brüderle sei der Auftakt zu seiner Auseinandersetzung mit unangenehmen Sexismus-Schlagzeilen, irrte Von dpa-Mitarbeiterin Bettina Grönewald

Düsseldorf. "Die FDP darf nicht verlernen, sich freuen zu können!" Wer am Sonntag glaubte, dieser Einleitungssatz von Rainer Brüderle sei der Auftakt zu seiner Auseinandersetzung mit unangenehmen Sexismus-Schlagzeilen, irrte. Zwar präsentierte sich der designierte FDP-Frontmann für die Bundestagswahl beim Neujahrsempfang der NRW-FDP wortgewaltig und lautstark wie immer - allerdings nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Die von 90 Prozent der Deutschen in einer repräsentativen Umfrage geforderte Entschuldigung bei der Journalistin, die sich von Brüderle angemacht fühlte, blieb aus.



Die Rolle des Verteidigers übernahm in Düsseldorf der geübteste FDP-Politiker in Sachen Krisenmanagement, der langjährige Ex-Parteichef Guido Westerwelle. "Ich weiß, was das heißt, allen Attacken ausgesetzt zu sein", kam der Außenminister gleich auf den Punkt. Ohne Brüderle und die Sexismus-Affäre zu erwähnen, forderte er die Parteifreunde auf, jetzt die Reihen zu schließen und in die Offensive zu gehen: "Selbstbewusstsein ist jetzt gefragt. Kein gebückter Gang, gerades Kreuz."

Von den mehr als 1400 Gästen des Neujahrsempfangs von FDP-Hoffnungsträger Christian Lindner erntet der Außenminister dankbaren Applaus. Auch Brüderle wird umjubelt, kritische Stimmen sucht man im Saal vergebens. "Übertrieben" finden Parteifreunde die Sexismus-Debatte; andere wollen sich "jetzt noch kein Urteil bilden".

Doch der, der wissen muss, was er vor einem Jahr genau zu einer Journalistin an einer Bar gesagt haben soll, schweigt weiter eisern. Pikant, dass er sich in seiner kraftvoll vorgetragenen Rede ausgerechnet mit grünen "Tugendwächtern" auseinandersetzt. "Was mir ganz besonders zunehmend auf den Keks geht, sind diese selbsternannten Tugend-Jakobiner", schimpft Bürderle, feixt über politisch korrekte Ernährung oder Zeitungen. Klar ist aber auch: Solange er zu den Vorwürfen schweigt, werden die Medien ihm auf den Fersen folgen und andere Themen werden überlagert.

Lindner hält sich ebenfalls bedeckt. Beim Empfang begrüßt er Brüderle als "Freund, zu dem wir stehen". Kein Wort über die Sexismus-Debatte. Lindner wird für den vorgezogenen Bundesparteitag im März als Vizeparteichef gehandelt. Sollte Brüderle die Sexismus-Affäre als Spitzenkandidat nicht überstehen, würde der Ruf nach Lindner wieder lauter. Doch der 34-Jährige will noch nicht an die Spitze und unterstützt - wohl auch deshalb - den Altgedienten.



Mit keinem Wort erwähnte Rainer Brüderle die Sexismus-Affäre beim Neujahrsempfang. Foto: dpa
Mit keinem Wort erwähnte Rainer Brüderle die Sexismus-Affäre beim Neujahrsempfang. Foto: dpa