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Benedikts Friedensbotschaft von Bethlehem

Bethlehem. Die Rufe der Gläubigen verbinden Politik und Religion: "Viva il Papa, viva la Palestina!", skandiert die Menge bei der Freiluftmesse in Bethlehem und schwenkt schwarz-weiß-grün-rote Palästina-Fahnen. Und selbst Papst Benedikt XVI Von den ddp-Mitarbeitern Petr Jerabek und Michaela Koller

Bethlehem. Die Rufe der Gläubigen verbinden Politik und Religion: "Viva il Papa, viva la Palestina!", skandiert die Menge bei der Freiluftmesse in Bethlehem und schwenkt schwarz-weiß-grün-rote Palästina-Fahnen. Und selbst Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch in den Palästinensergebieten neben einer religiösen auch eine politische Botschaft: Er betont das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat, mahnt aber zur Geduld und zum Verzicht auf Gewalt und Terror. Schon Stunden vor der Ankunft des Papstes in der Geburtsstadt Jesu hatten bewaffnete palästinensische Sicherheitskräfte die Straßen Betlehems gesäumt. Rund 6000 Menschen haben sich zum Gottesdienst auf dem Krippenplatz versammelt, den sich Geburtskirche und Moschee quasi als Vorhof teilen. Es sind hauptsächlich einheimische Christen, die gekommen sind, um sich vom Papst ermutigen zu lassen. Nur vereinzelt ragt die eine oder andere polnische, kroatische oder spanische Fahne aus der Menge. Vielen Gläubigen aus dem Gaza-Streifen wurde der Transit durch Israel ins Westjordanland verwehrt. Die wenigen aus Gaza, die es nach Bethlehem geschafft haben, werden vom Papst in seiner auf Englisch gehaltenen Predigt explizit begrüßt: "In besonderer Weise wende ich mein Herz den Pilgern aus dem vom Krieg erschütterten Gaza-Streifen zu: Ich bitte euch, eure Familien und eure Gemeinden meiner innigen Verbundenheit zu versichern, meiner tiefen Trauer über die erlittenen Verluste", ruft der Papst ihnen zu.Sicherheiskräfte auf Dächern Das katholische Kirchenoberhaupt spricht in seiner Predigt über die von Bethlehem ausgehende biblische Botschaft der Erlösung. "Und diese Stadt ist mehr als alle anderen dazu berufen, sie der Welt zu verkünden", sagt der Papst. Er betont, er sei gekommen, um den Menschen in den palästinensischen Gebieten zur Seite zu stehen. Und er fordert sie zu einem Aufbau "einer Kultur des Friedens" auf — während auf den Dächern der umliegenden Gebäude Sicherheitskräfte mit Gewehr im Anschlag über die Menge und den Papst wachen. Die Herzen der Einheimischen flogen dem Papst schon bei seiner Ankunft in Bethlehem zu, als er das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat betonte. Benedikts sehr politische Rede bei der Begrüßung durch den Präsidenten der Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, war so klar und unmissverständlich wie selten in diesen Tagen seiner Nahost-Reise. Er benannte die Schwierigkeiten der Palästinenser, sprach aber ausdrücklich von "legitimen Ansprüchen" beider Seiten. Und er versäumte es auch nicht, die Palästinenser zum Verzicht auf Gewalt und Terrorakte aufzurufen. Die Stimmung an diesem sechsten Tag der Reise des Papstes ins Heilige Land ist trotz aller politischer Brisanz ausgelassen.