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„Der Widerstand geht weiter“

Frankfurt. Brennende Barrikaden und Angriffe auf Polizisten: So viel Gewalt wie bei der Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank hat Frankfurt seit Jahrzehnten nicht erlebt. Wir beantworten zentrale Fragen dazu. Ira Schaible,Paul Winterer (dpa)

Mehrere hundert Verletzte und Schäden in Millionenhöhe: Die Gewalt eines Teils der Blockupy-Demonstranten bei der Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt hat viele erschüttert. Die Polizei will Lehren aus den Ausschreitungen ziehen.

Wie fällt die erste Schadensbilanz für Frankfurt aus?

Mehr als 350 Demo nstranten und Polizisten wurden bei den gewalttätigen Krawallen verletzt. Die meisten erlitten Platzwunden oder Rauchgasverletzungen, oder sie klagten über ausgekugelte Arme. Die Polizei zählt etwa 150 verletzte Beamte, Blockupy mehr als 200 verletzte Demons tranten. Auch zwei Feuerwehrleute erlitten Blessuren. Die Feuerwehr musste mindestens 55 Mal ausrücken, um brennende Autos, Mülltonnen oder Barrikaden zu löschen. Hinzu kamen 280 Rettungsdiensteinsätze. Der Sachschaden geht nach Schätzung der Polizei in die Millionen. Der Einsatz dürfte ähnlich viel gekostet haben, schätzen die Beamten.



Welche gewaltbereiten Gruppen waren in Frankfurt unterwegs?

"Diese Ausschreitungen waren vorbereitet, organisiert und gesteuert und keinesfalls spontan", sagt Polizeipräsident Gerhard Bereswill. "Das waren keine friedlichen Demonstranten , sondern Straftäter." Er geht von etwa 4000 "hemmungslos Agierenden" aus. Schon in den vier Wochen vor dem Protest gegen die Eröffnung des EZB-Neubaus habe es in mehreren deutschen Städten rund 20 Straftaten gegeben, die in Zusammenhang mit dem 18. März standen. Aus fast allen Bundesländern seien Beschuldigte nach Frankfurt gereist, insbesondere aus Berlin, Hamburg, dem Raum Hannover/Göttingen sowie der Rhein-Neckar-Region. Unter den ausländischen Demonstranten seien besonders Italiener aufgefallen, die mit sechs Bussen angereist seien.

Wie macht Blockupy weiter? Mobilisiert es für den G7-Gipfel in Elmau?

Das Blockupy-Bündnis will den Widerstand fortsetzen. Wie genau, ist noch unklar. "Wir begreifen die hohe Teilnehmerzahl an der Demo als eine Ermutigung und einen Auftrag weiterzumachen", sagt Blockupy-Sprecher Frederic Wester. "Der Widerstand geht weiter." Ob in Frankfurt , Brüssel oder Berlin, müsse noch beraten werden. In Zusammenhang mit dem G7-Gipfel im bayerischen Elmau werde es auf jeden Fall Proteste geben. Einzelheiten stünden noch nicht fest. Einzelne Akteure des Bündnisses aus mehr als 90 Gruppen mobilisierten jedoch bereits.

Wie ist die Ausgangslage für Demonstranten beim G7-Gipfel?

Der Tagungsort könnte abgeschiedener kaum sein. Schloss Elmau liegt in einem Hochtal bei Garmisch-Partenkirchen, das nur über eine einzige Straße erreichbar ist - 1000 Meter über dem Meeresspiegel. Das rund 100 Kilometer südlich von München gelegene Hotel kann problemlos abgeriegelt werden. Anders als beim G8-Gipfel in Heiligendamm, wo es 2007 zu Ausschreitungen gekommen war, wird es in Elmau auch keinen Sicherheitszaun geben. Proteste in direkter Umgebung des Schlosses will die Polizei verhindern. Die versteckte Lage des Tagungsortes spielt ihr dabei in die Hände.

Was für Proteste sind geplant?

Der offizielle Protest gegen den G7-Gipfel soll bereits Tage zuvor - am 3. und 4. Juni - mit einem Alternativgipfel in München beginnen. Für den 6. Juni plant das Bündnis "Stop G7 Elmau" eine Demonstration im fast 15 Kilometer vom Schloss entfernten Garmisch-Partenkirchen, wo auch das internationale Pressezentrum sein wird. Am 7. Juni, dem ersten Gipfeltag, soll es einen Sternmarsch zum Tagungsort geben. Die Polizei dürfte ihn deutlich vor dem Schloss beenden.