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Statistisches Bundesamt
Baby-Boom im Saarland hält an

(Symbolbild).
(Symbolbild). FOTO: dpa / Patrick Pleul
Saarbrücken/Wiesbaden. Hierzulande kommen mehr Kinder zur Welt. Doch in ganz Deutschland sterben mehr Menschen als geboren werden. Von Fatima Abbas
Fatima Abbas

Die Zahl der Geburten ist im Saarland entgegen dem bundesweiten Trend erneut leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 8315 Kinder geboren – 100 Kinder mehr als 2016. Verglichen mit dem Tiefstand im Jahr 2013 (6848 Neugeborene) kamen sogar 1467 Babys mehr auf die Welt. Somit ist innerhalb von vier Jahren die Zahl der Geburten im Saarland um mehr als ein Fünftel gestiegen. Das geht aus den am Freitag veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Einen ähnlichen Aufwärtstrend bei den Geburten verzeichnen lediglich Hessen und Bayern.


Insgesamt geht die Zahl der Geburten in Deutschland zurück. So wurden 2017 rund 785 000 Kinder geboren – 0,9 Prozent weniger als im Jahr davor. 2016 hatten Statistiker noch 792 000 Neugeborene gezählt. Zugleich stieg in allen Bundesländern die Zahl der Sterbefälle um 2,4 Prozent auf 933 000. Im Saarland starben im vergangenen Jahr 13 280 Menschen. Das waren drei Prozent mehr als 2016. Seit 1972 sterben in Deutschland jedes Jahr mehr Menschen, als Kinder geboren werden.

„Generell sollte man auch in den kommenden Jahren mit einem Geburtenrückgang rechnen“, sagt Mathias Lerch vom Max-Planck-Institut für Demografische Forschung. Anfang der 2000er habe es noch einen Anstieg der Fruchtbarkeitsziffer (Kinder pro Frau) gegeben, weil viele Frauen in den 90ern die Geburt ihres ersten Kindes aufgeschoben hätten. Die Wirtschaftskrise im Jahr 2008 habe diesen Trend gestoppt. Daran könne auch Migration wenig ändern, sagt der Experte. Die Geburtenrate von Familien aus dem Nahen Osten werde häufig überschätzt. „Es bräuchte eine Wahnsinnsmenge von Migranten“, um auf Dauer den in der Sozialpolitik erwünschten Effekt zu erreichen: dass wieder mehr Personen im Erwerbsalter den Rentnern gegenüberstehen.



Abgesehen von Berlin und Hamburg gab es in allen Bundesländern mehr Sterbefälle als Geburten. Deutschlandweit starben im vergangenen Jahr 147 000 Menschen mehr, als geboren wurden. 2016 hatte das Plus an Verstorbenen noch 119 000 betragen. Weil im Saarland die Zahl der Sterbefälle noch stärker zugenommen hat als die Zahl der Geburten, hat sich der demografische Wandel weiter verstärkt. Nun müssten hierzulande knapp 5000 Menschen mehr geboren werden, um die Zahl der Todesfälle auszugleichen. 2016 hätten noch 4682 Neugeborene ausgereicht.