| 20:41 Uhr

Vorstoß von Minister Spahn
Ausländer sollen Pflege-Notstand lindern

Aus dem Saarland gibt es
Kritik an den
Plänen von
Minister Spahn.
Aus dem Saarland gibt es Kritik an den Plänen von Minister Spahn. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin/Saarbrücken. In Deutschland fehlen 17 000 Pflegekräfte. Gesundheitsminister Spahn hofft auf Hilfe aus dem Ausland.

Zur Überwindung des massiven Personalmangels will Gesundheitsminister Jens Spahn mehr Pflegekräfte aus dem Ausland gewinnen. Diese aus den Nachbarländern einzuladen, „ist die nächstliegende Option“, sagte der CDU-Politiker der „Rheinischen Post“. Er forderte zugleich eine raschere Anerkennung von Abschlüssen für ausländische Pflegekräfte und Ärzte. Manchmal seien diese über Monate, teils sogar über Jahre in Deutschland und könnten nicht loslegen, weil das Verfahren zur Anerkennung sich hinziehe, rügte der Minister. Selbstverständlich müsse die ausländische Qualifikation gleichwertig mit der deutschen sein, das gehöre gründlich geprüft. „Wir sollten aber mit den Bundesländern die Überprüfungen deutlich beschleunigen“, erklärte Spahn.


Zwar betonte er via Twitter, dass Hilfe aus dem Ausland nur ein Baustein sei, um die Pflege-Probleme anzugehen. Dennoch gab es teils heftige Kritik am Vorstoß des Ministers. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach von einer „Sprechblase ohne Substanz“: Die schnellere Anerkennung von Abschlüssen werde den Notstand nicht beheben, weil nur wenige ausländische Pfleger Interesse am deutschen Arbeitsmarkt hätten. „Skandinavien, die Schweiz, selbst Großbritannien bieten bessere Arbeitsbedingungen. Genau dorthin wandern auch deutsche Pflegefachkräfte ab“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Er sieht mangelnde Sprachkenntnisse als Hauptgrund dafür, dass viel Zeit vergehe, bis Ausländer hierzulande arbeiten können.

Aufgrund der Sprachbarriere bewertet auch der saarländische Pflegebeauftragte Jürgen Bender den Vorstoß Spahns kritisch. Pflegekräfte aus dem Ausland seien „ein Notnagel, aber nicht mehr“, sagte Bender gestern der SZ. Wenn man sie einsetzen wolle, müssten sie zuvor „ordentlich geschult“ werden.