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Auf den Landtagsfluren Erinnerungen an Werner Zeyer

Saarbrücken. Wer waren die Heckenschützen? Diese Frage bleibt nach Wahl-Pannen wie gestern oft Jahrzehnte im Raum. Den früheren Saar-Innenminister Alfred Wilhelm ereilte sie gestern als Gast auf den Fluren des Landtags erneut. "Ich war das damals nicht", versicherte der 90-Jährige im Gedränge vor dem Plenarsaal

Saarbrücken. Wer waren die Heckenschützen? Diese Frage bleibt nach Wahl-Pannen wie gestern oft Jahrzehnte im Raum. Den früheren Saar-Innenminister Alfred Wilhelm ereilte sie gestern als Gast auf den Fluren des Landtags erneut. "Ich war das damals nicht", versicherte der 90-Jährige im Gedränge vor dem Plenarsaal. Er habe 1980 sogar das Kreuz auf dem Stimmzettel für den CDU-Kandidaten Werner Zeyer so gestaltet, dass sein Ja für Eingeweihte erkennbar war, sagte er gestern. Denn der populäre Wilhelm galt lange als Gegenspieler Zeyers. Der hatte ihn auch nicht mehr als Innenminister in seinem Kabinett berücksichtigt.Der Paukenschlag kam am 21. Mai 1980: Finanzminister Peter Jacoby kann sich noch gut daran erinnern. Er zählte damals als Parlamentsneuling die Stimmen aus: "Ich dachte erst, da hast du dich verzählt", sagte er gestern. 27 Sitze hatte nach der Landtagswahl 1980 die Koalition aus CDU und FDP, doch Zeyer erhielt im ersten Durchgang nur 24 Ja-, aber 26 Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Zeyer, so die gängigste Lesart, hatte für sein Kabinett auf Professoren von außerhalb gesetzt und ehrgeizige CDU-Parlamentarier übergangen - etwa den damaligen Handwerkskammerpräsidenten Winfried E. Frank. Die Koalition nahm sich damals zwei Tage Zeit, ihre Reihen zu schließen. Am Freitag vor Pfingsten trat Zeyer erneut an und wurde mit 27 zu 24 Stimmen gewählt. Die Pleite hing ihm aber bis zur Niederlage gegen Oskar Lafontaine fünf Jahre später an. ulb




Am Rande

Pannen bei Ministerpräsidenten-Wahlen erlebt Deutschland nicht zum ersten Mal. In jüngster Zeit gab es folgende Fälle: Die Ministerpräsidentin von Thüringen, Christine Lieberknecht (CDU), wurde 2010 erst im dritten Wahlgang gewählt. 2008 versuchte Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti erfolglos, mit den Linken Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung zu werden. Vier SPD-Abgeordnete der SPD verweigerten ihr schon vor der Wahl die Stimme. 2005 fiel in Kiel Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) in vier Wahlgängen durch und trat nicht mehr an. red