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Donald Trump
Auf dem Golfplatz versenkt er den Weltfrieden

Washington/Palm Beach. Donald Trump liebt Abschläge – und Tweets. An sich keine schlimme Sache. Es sei denn, man ist auch noch US-Präsident. Da tippt man mal schnell vor einer Partie einen Post ins Smartphone und provoziert einen Beinahe-Atomkrieg. Von Pascal Becher
Pascal Becher

Die Sonne Floridas lacht an diesem Novembertag etwas weniger als sonst. Dennoch bildet der Himmel in Palm Beach einen schönen Kontrast zum satten Grün des Golf-Rasens von Mar-a-Lago, dem Lieblings-Domizil von Donald Trump. Kein Wunder. Es gehört ihm ja auch, genau wie 19 Golf-Ressorts weltweit. Und sie sind alle „great“. Es läuft einfach rund für ihn. Und das weiß der Milliardär mit der brettharten blonden Haartolle auch. Gerade auf dem Golfplatz. Sein Handicap liegt übrigens bei 2,8, sagt er. Ein Weltklasse-Wert für einen Mann über 70. „Huge“ eben, auch wenn ihm immer mal wieder ein Gegner vorwirft, zu schummeln.


An diesem Tag spielt Trump übrigens seine 80. Partie im Jahr 2017. Mit Tiger Woods. Ein sagenhaftes Match. Ein Rekord-Spiel – für einen US-Präsidenten. Noch nie soll ein Mann im Weißen Haus so oft Golf gespielt haben in den ersten Monaten seiner Regentschaft wie „The Donald“. Nicht mal Barack Obama, Trumps Intimfeind. Bislang belegte der Demokrat in den Medien den Spitzenplatz. „Könnt ihr euch vorstellen, dass US-Präsident Barack Obama den ganzen Tag Golf gespielt hat – obwohl er so viele Probleme und Schwierigkeiten hat. Schlimmer als Carter“, twitterte Trump 2014 einmal wütend – und bekam dafür viel Zuspruch von den Amerikanern, auch über Parteigrenzen hinweg. Trump versprach ihnen 2016 im Wahlkampf: „Ich werde für euch arbeiten. Ich werde nicht die Zeit haben, Golf zu spielen.“ Aber „so what“. Dinge ändern sich nun mal. Und Tweets versenden sich – meistens.

Dabei haben gerade die es beim 45. Präsidenten der US-Geschichte in sich. Mit wenigen Zeichen bringt der Social-Media-Profi seine über 66 Millionen Follower (mit den Accounts @potus und @realDonaldTrump) in Wallung und die Welt ins Wanken. Auch vor der Woods-Partie hat Trump noch einen Tweet abgesetzt. Und darin kündigt er forsch an, „Frieden in den Schlamassel“, den er geerbt habe, zu bringen. Mit „Schlamassel“ meint der Präsident die Nahost-Krise. Über die hat er sich am Morgen noch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgetauscht – im Club natürlich.



Und wer hat ihm den Ärger eingebrockt? Herr Obama, schreibt Trump. Sämtliche Initiativen seines Vorgängers versucht der Republikaner gefühlt seit Amtsübernahme am 20. Januar abzusetzen. Wie beispielsweise die Krankenversicherung für alle („Obamacare“) oder Steuer-Verschärfungen. Die Sache bei Trump ist nur: Was er im Wahlkampf angekündigt hat, will er tatsächlich durchsetzen. Nicht immer gelingt es, auch nicht immer sofort. Wie beim Einreise-Verbot für Muslime. Aber Trump ist hartnäckig, ein Businessman. Wer nicht mitzieht, ist gefeuert. Da macht er auch nicht vor Ministern und Chef-Strategen halt. Und so lässt er seinen Stab solange am Einreise-Verbot schrauben, bis die Gerichte, Senat und Repräsentantenhaus zufrieden sind.

Er will Amerika „great again“ machen. In seinem Sinne. Und das heißt bei einer Weltmacht wie den USA immer auch, international (Brand-)Zeichen zu setzen.  Weniger gegenüber Russland. Trotz Warnungen der CIA über Wahlmanipulation hegt er offen Sympathien für den Kremlchef Wladimir Putin. Trump setzt auf den Überraschungseffekt. Wie bei seiner Antrittsrede bei den Vereinten Nationen. Er fand sie „great“, wie er später twitterte. Und dass er ein großartiger Präsident sei, hätten selbst die UN und die „Gruppe von Schurkenstaaten“, die die „Geißel unseres Planeten“ seien, anerkennen müssen. „Ich habe viele Staatsführer getroffen, die mit vielem (oder allem), was ich gesagt habe, übereinstimmen“, textete der zufriedene Trump nach der Grundsatzrede. Darin drohte er wie ein Cowboy dem Iran und Nordkoreas Diktator Kim Yong Un, diesem „Raketenmann auf Selbstmordmission“, mit Ärger.

Ob sich Trump für den Auftritt auf dem größten internationalen Parkett der Welt beim Golfen in Bedminster vorbereitet hatte, ist nicht klar. Nur, dass er dort war. Im „Trump National Golf-Club“ in Bedminster. Auch ein beliebter Rückzugsort des Präsidenten.

Die Dispute der USA mit Teheran und Pjöngjang haben zudem Potenzial, 2018 zu weltumspannenden Kriegen zu erwachsen. Die Ausläufer eines Atom-Konflikts mit Nordkorea spürt Deutschland schon jetzt. Die Amerikaner frischen seit Wochen ihr Atomraketen-Arsenal im gut 100 Kilometer vom Saarland entfernten Büchel auf.

Eingeleitet hat die Machtprobe übrigens der hitzige Kim. Am 14. Februar. Trump aß gerade mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe im Restaurant des Mar-a-Lago nach einer Partie Golf. Da feuerte der Diktator eine Trägerrakete Richtung USA – eine Kriegserklärung, nach den beiden Atomtests im Vorjahr. Trumps Reaktion war wenig staatsmännisch: Er verlegte das Lagezentrum zur nationalen Sicherheit direkt an seinen Tisch, mitten im Club. Die Gäste konnten so am Briefing teilhaben. Seine Fans kommentierten das mit „volksnah“. Die Geheimdienste mit „Katastrophe“.

Auch die Iran-Krise hat atomare Sprengkraft. Es geht um den Deal, den Vorgänger Obama samt Deutschland in der Schweiz eingefädelt hatte. Ein rotes Tuch für Trump, wie er mehrfach twitterte. In einer Auslandsreise im September flirtete Trump nun offen mit dem saudischen Königreich. Eine Provokation an Teheran. Warum jetzt?, rätselte damals die Welt. Weil Saudi-Arabien ein Golf-Staat ist? Aus amerikanischer Sicht gibt es genauso gute Gründe, den Mullahs zu misstrauen, wie den Scheichs. Nicht zuletzt wegen deren nie wirklich widerlegten Verstrickungen in die Terroranschläge am 11. September 2001.

Zweieinhalb Monate später lichtete sich etwas der Nebel. Die Spur führte zum Nahost-„Schlamassel“. Die verschärfte Trump im Dezember, als er einseitig Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte. Die Scheichs aus von Saudi-Arabien signalisierten früh ihr Okay für die Verlegung. Türkeis Präsident, nicht gerade als Israel-Freund bekannt, zürnte hingegen. Die Reaktion der Palästinenser auf den Botschafts-Akt war deutlich heftiger. Eine Intifada, also eine Kriegserklärung an Israel. Nicht nur in Deutschland brannten in der Folge David-Stern-Flaggen. Die Lage ist wie bei Nordkorea auch äußerst gespannt. Ein Krieg ist zumindest noch nicht ausgebrochen. Vielleicht, weil die Kräfteverhältnisse im Pulverfass Nahost verschoben wurden.

Und so ist es eben durchaus anders, als viele seiner Kritiker vor Amtseinführung unkten: Donald Trump hat im ersten Jahr als Präsident viel bewegt – manches in eine fatale Richtung. „Nichts wird mehr so sein, wie wir es kennen“, titelte der „Spiegel“ nach der Wahl Trumps und zeigte dessen Kopf, der mit aufgerissenem Mund als riesiger Komet auf die Erde zusteuert. Ende 2017 steht fest: Wenn Trump die Welt vernichtet, macht er es nicht von außen, sondern wahrscheinlich im Bunker von Mar-a-Lago, mit dem Smartphone einen wilden Tweet absetzend.