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Neue Zahlen
Arbeitslose rutschen häufiger in die Armut ab

Als armutsgefährdet gilt demnach, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.
Als armutsgefährdet gilt demnach, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Berlin/Saarbrücken. Nirgendwo in der EU ist die Gefahr größer. Im Saarland soll es für Langzeitarbeitslose neue Chancen geben. Von Stefan Vetter

In Deutschland waren im Vorjahr 70,5 Prozent der Arbeitslosen von Armut bedroht. Die Quote hat sich im Vergleich zum Jahr 2000 fast verdoppelt und liegt aktuell in keinem Land der EU höher. Das geht aus einer Datenübersicht des Statistikamtes Eurostat hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Als armutsgefährdet gilt demnach, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. In Deutschland waren dies für einen Alleinstehenden zuletzt 1096 Euro monatlich. Darin eingerechnet sind alle staatlichen Transfers wie zum Beispiel Hartz IV.


Die Arbeitsmarkexpertin der Grünen, Beate Müller-Gemmeke, sieht mehrere Ursachen für das Phänomen. „Das Arbeitslosengeld I wird der sich verändernden Arbeitswelt an manchen Stellen nicht mehr gerecht. Kurze Erwerbsverläufe, wie sie zum Beispiel bei Leiharbeitskräften üblich sind, bleiben weitgehend unberücksichtigt“, sagte sie der SZ. Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Oktober 66,3 Prozent aller Arbeitslosen auf Hartz IV angewiesen. Nur ein Drittel bezog Arbeitslosengeld I.  Es wird für maximal zwei Jahre gewährt und liegt bei 60 Prozent des letzten Nettogehalts, bei Eltern sind es 67 Prozent.

Verantwortlich für die hohe Armutsgefährdung sind aus Sicht der Linke-Politikerin Sabine Zimmermann zudem die „viel zu niedrig berechneten Regelsätze“ in der Grundsicherung. „Statt Hartz IV braucht es eine sanktionsfreie Mindestsicherung, die wirklich vor Armut schützt und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht“, erklärte sie. Müller-Gemmeke sieht das „Hauptproblem“ in der „sich verfestigenden Langzeitarbeitslosigkeit“.



Um diese deutlich besser als bislang zu bekämpfen, setzt Landesarbeitsministerin  Anke Rehlinger (SPD) auf ein breites Bündnis im Saarland. Heute wird es ein erstes Treffen von Vertretern der rund 30 beteiligten Institutionen geben.