| 21:32 Uhr

CDU-Regionalkonferenz
Heimvorteil – doch das Rennen bleibt offen

Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Generalsekretärin, spricht bei der CDU-Regionalkonferenz auf dem Gelände der Messe Idar-Oberstein vor Parteimitgliedern.
Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Generalsekretärin, spricht bei der CDU-Regionalkonferenz auf dem Gelände der Messe Idar-Oberstein vor Parteimitgliedern. FOTO: dpa / Silas Stein
Idar-Oberstein. Das Trio-Schaulaufen um die CDU-Spitze ging gestern Abend in die zweite Runde: bei der Regionalkonferenz in Idar-Oberstein. Von Gerrit Dauelsberg und Birgit Reichert

Ihre Fangruppe war sichtbar am größten. Zur Unterstützung von Annegret Kramp-Karrenbauer beim Griff nach dem CDU-Vorsitz waren rund 500 Unterstützer aus der Saar-CDU in acht Bussen an der Messehalle in Idar-Oberstein vorgefahren. Ganz klar: Für die frühere Ministerpräsidentin war die zweite Runde der Regionalkonferenzen der CDU ein Heimspiel. Gemeinsam mit Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz (63) und Gesundheitsminister Jens Spahn (38), den anderen aussichtsreichsten Kandidaten für die CDU-Spitze, stellte sich die 56-Jährige gestern Abend Parteimitgliedern aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland.


In ihrer kämpferischen Rede zum Auftakt bezeichnete sie die Erneuerung der CDU nach der Ära Merkel als „völlig richtig und völlig normal“. Es gehe allerdings nicht darum, in Zukunft alles zu 100 Prozent anders zu machen oder zu 100 Prozent wie bisher zu machen. „Es geht um die Frage: Was machen wir aus dem, was wir geerbt haben?“ , sagte Kramp-Karrenbauer.

In der anschließenden Fragerunde sprach sie sich als einzige klar und deutlich für eine Dienstpflicht für junge Männer und Frauen aus. „Wir brauchen etwas, das die Gesellschaft wieder aktiv zusammenbringt.“ Ein solches Dienstjahr könne dazu einen Beitrag leisten.



CDU-Regionalkonferenz in Idar-Oberstein FOTO: dpa / Silas Stein

 Die mehr als 2000 CDU-Mitglieder bereiteten jedem der drei Bewerber einen freundlichen Empfang. Dass das Rennen weiter offen ist, wurde auch gestern Abend deutlich. Viel Beifall gab es auch für Merz. Unisono begeistert waren viele von dem Forum der Konferenz mit dem Bewerber-Trio: „Ich finde es super, was die Partei hier auf den Weg gebracht hat“, sagte der Idar-Obersteiner Oberbürgermeister Frank Frühauf (CDU). „Das hätte schon viel früher passieren sollen.“ Auch Christa Zimmermann aus Koblenz fand die Vorstellung der Kandidaten an der Parteibasis gut. „Das ist auch ein Zeichen der Erneuerung.“

In der rheinland-pfälzischen CDU gibt es auch Sehnsucht nach einem Neuanfang. Der könnte – zumindest emotional – nach Ansicht eines Teils der Mitglieder mit Merz gelingen. Er gilt als Experte für Wirtschaftspolitik, will auch bei der Innenpolitik Akzente setzen. „AKK“ und Merz sollen leichte Vorteile gegenüber Spahn haben. Über die Nachfolge von Angela Merkel entscheidet ein Bundesparteitag am 7. Dezember in Hamburg. Zuvor stellt sich das Bewerber-Trio bei bundesweit insgesamt acht Regionalkonferenzen der Parteibasis vor.

Ebenso wie beim ersten „Schaulaufen“ der Vorsitz-Kandidaten waren Merz, Kramp-Karrenbauer und Spahn sichtlich bemüht, sich als faire Teilnehmer eines Wettstreits um die besten Ideen zu präsentieren – nicht als Gegner. Nur beim Thema UN-Migrationspakt blitzte Konfliktpotenzial auf. Ansonsten ging es um die Themen Rente, Hartz-IV, Dienstpflicht, die EU und Migration.