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Al Qaida sucht neue Einnahmequellen

Herr Molt, eben noch diskutiert Europa über eine Ausbildungsmission des malischen Militärs im Kampf gegen die Islamisten, da holt Frankreich zum Militärschlag aus. Was soll das?Molt: Die Franzosen haben auf eine akute Gefahrensituation reagiert. Und das war richtig

Herr Molt, eben noch diskutiert Europa über eine Ausbildungsmission des malischen Militärs im Kampf gegen die Islamisten, da holt Frankreich zum Militärschlag aus. Was soll das?



Molt: Die Franzosen haben auf eine akute Gefahrensituation reagiert. Und das war richtig. Denn die Islamisten haben - unerwarteterweise - den Marsch nach Süden angetreten und drohten, den Kern Malis, also das Binnendelta des Nigers und die Hauptstadt Bamako, zu erobern. Und das musste unbedingt verhindert werden.

Warum?

Molt: Wenn die radikalen Islamisten das Niger-Delta und Bamako erobert hätten, hätten sie zusammen mit den anderen Rebellengruppen das Land kontrolliert.

Aber was will Al Qaida von Mali?



Molt: Erst mal wollen sie einen Gottesstaat in Westafrika errichten, um so ihren Einfluss bis zur Mittelmeer-Region auszuweiten. Es geht ihnen aber auch um ökonomische Interessen. Die Islamisten leben auch von Erpressung und Ausbeutung. Der Norden, den sie schon kontrollieren, ist aber weitgehend menschenleer. Denn wegen der ständigen Unruhen im Gebiet sind mehr als eine halbe Millionen Menschen in den Süden geflohen.

Al Qaida mischt aber auch beim Drogenhandel mit.

Molt: Ja, eine der wichtigsten Drogenrouten Afrikas führt von Guinea Bissau durch Mali nach Libyen und Ägypten bis Europa. Und dieses Geschäft will Al Qaida steuern. Wie wichtig ihr das ist, zeigt auch, dass sie in den vergangenen Monaten tausende junger radikaler Islamisten aus Somalia, Äthiopien, dem Sudan und auch Pakistan in Mali zusammengezogen hat.

Kann man jetzt überhaupt noch etwas mit friedlichen Mitteln ausrichten?

Molt: Erst mal nicht. Die malische Regierung und Frankreich als ehemalige Kolonialmacht müssen den Islamisten zeigen, dass es sie teuer zu stehen kommt, wenn sie weiter in Mali für Unruhe sorgen. Danach aber sind Verhandlungen angesagt. Die malische Regierung muss mit Unterstützung der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, der EU und den USA versuchen, die gemäßigten Touareg-Rebellen mit entsprechenden Zusagen für sich zu gewinnen und so die radikalen Islamisten zu isolieren. Foto: Privat