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Abschied auf Klapphockern, Kisten und Jacken

Bremen Von dpa-Mitarbeitern Stephanie Lettgen und Christiane Gläser

Bremen. In seiner Predigt greift Daniele Garrone noch einmal das Motto des Evangelischen Kirchentages auf: "Von Beginn an begleitet uns die Frage: 'Mensch, wo bist Du?'" Spontan rufen ihm die 100 000 Besucher des farbenfrohen Abschlussgottesdienstes gestern auf der Bremer Bürgerweide an den Messehallen in einem Chor zu: "Hier!" Ein Lächeln gleitet über das Gesicht von Garrone, dann setzt der Theologe aus Rom seine Botschaft zum Thema Hoffnung fort.



Eineinhalb Stunden lang beten, klatschen und singen die Gläubigen - wie in den Tagen zuvor bei den rund 2500 Veranstaltungen des Christentreffens.

"Mit so vielen Menschen gemeinsam einen Gottesdienst zu feiern, ist etwas ganz Besonderes", sagt Heinz-Wilhelm Weber aus dem nordrhein-westfälischen Minden. Mit einem großen roten Schirm schützt er seine Familie vor der intensiven Sonne. Viele Gläubige sitzen auf Klapphockern, Jacken oder Kissen, sind vom fünftägigen Kirchentags-Marathon etwas erschöpft. "Halleluja!" und "Seid jederzeit bereit, für Christus einzustehen!", singen die Chöre auf der Bühne und die Gemeinde zusammen. Mehrere Hundert Musiker, die gerade Pause haben, stemmen ihre Tuben, Posaunen, Trompeten und Hörner in die Luft und schwenken sie rhythmisch von links nach rechts.

Die mitreißende Musik lässt auch Diana Chumo auf sich wirken. Die 42-Jährige ist mit einer Freundin extra aus Nairobi angereist. "Es war gut und aufregend. Wir haben Menschen aus der ganzen Welt getroffen", sagt die Kenianerin. "So was erlebst du nur einmal. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen."

Auf einer Strandmatte verfolgt Sabine Rüter den Gottesdienst: "Es ist einfach wunderbar!", sagt sie, während Helfer die Kollekte für ein Projekt in Kolumbien sammeln. Das Glaubensfest ist für Rüter eine "gesegnete Zeit", um Kraft zu schöpfen. Dann springt sie auf, um einen Blick auf die Bühne werfen zu können. Denn dort stellt der Künstler Jürgen Endress die Lesung aus dem 1. Petrusbrief zunächst in "Gebärdenpoesie" vor. Tausende Menschen werden in diesem Moment ganz still, schauen ihm gebannt zu. Erst danach wird der Text hörbar für alle vorgelesen.



Ein bewegender Moment für die Christen ist auch die Aufforderung: "Gebt einander ein Zeichen des Friedens!" Wildfremde Menschen schütteln sich freudestrahlend die Hände oder umarmen sich. Pfadfinder Simon van Balen nimmt einige Jugendliche, die in seiner Nähe stehen, kurz in den Arm.

Dann hilft der 18-Jährige aus Nordrhein-Westfalen beim Abendmahl mit, verteilt Traubensaft und Oblaten. Nach fünf anstrengenden Tagen als freiwilliger Helfer freut er sich nun auf sein eigenes Bett. "Das war schon hart, vier Nächte in einer Schule auf einer Isomatte zu schlafen", berichtet er. Dennoch will er bei den nächsten Christentreffen in München und Dresden wieder dabei sein: "Die Stimmung auf einem Kirchentag ist immer sehr gut!"